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„Die Mannschaft wird ausgewechselt“

08.02.2010 | 18:39 | VON MATTHIAS AUER (Die Presse)

In den vergangenen Jahren stiegen Österreichs Unternehmen zum viertgrößten Investor in der Ukraine auf. Was bedeutet die Wahl von Viktor Janukowitsch für ihre Zukunft im Land?

Die Fähnchen und Banner sind verstaut. So laut sie begonnen hat, so leise geht die Ära der Orangen Revolution zu Ende. Mit seiner Wahl zum Präsidenten werde eine „neue Seite in der Geschichte der Ukraine aufgeschlagen“, tönte der prorussische Viktor Janukowitsch nach seinem knappen Wahlsieg. Doch eine Erklärung, was auf dieser Seite geschrieben stehen soll, blieb der frühere Oppositionsführer schuldig. Was bedeutet sein Triumph für die am Boden liegende Wirtschaft des Landes? Was bedeutet er nicht zuletzt für die österreichischen Investoren in der Ukraine?

In den vergangenen Jahren haben heimische Unternehmen in Summe 2,56 Milliarden US-Dollar (1,87 Milliarden Euro) zwischen Lemberg und Donezk investiert. Angelockt von Wachstumsraten um die sieben Prozent stiegen sie zum viertgrößten Investor im Landes auf. Doch mit Ende 2008 war der Traum vom goldenen Osten schlagartig ausgeträumt.

Im Vorjahr brach die Wirtschaftsleistung des Landes um 14 Prozent ein, die Landeswährung Griwna büßte seit Herbst 2008 rund die Hälfte an Wert gegenüber dem Dollar ein. Die Folge ist nicht nur ein Rückgang der heimischen Exporte in die Ukraine um knapp die Hälfte, sondern vor allem die kollektive Überschuldung des gesamten Landes. Konsumenten, Unternehmen und der Staat hatten Ende 2009 Auslandsschulden in Höhe von 90 Milliarden Dollar angehäuft. Zumindest jeder fünfte Kredit im Land gilt als stark ausfallsgefährdet. Mutigere Analysten sprechen von rund 50 Prozent faulen Krediten im Land.

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Um den Staatsbankrott zu verhindern, sprang der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einem Kredit über 16,4 Milliarden Dollar ein. Die letzte Tranche hat der IWF jedoch vorerst eingefroren, bis wieder klare Machtverhältnisse im Land herrschen.

 

Österreicher bleiben im Land

Dafür reicht der Wahlsieg von Janukowitsch jedoch noch nicht. Denn erst wenn er auch im Parlament eine klare Mehrheit findet, kann der Präsident Gesetze mitgestalten. In welche Richtung der nunmehrige Wahlsieger das Land wirtschaftspolitisch lenken will, lässt sich nur schwer prognostizieren. Vor der Wahl hat man von ihm viel zu hören bekommen: Gemeinsam mit Russland, Weißrussland und Kasachstan wolle er einen gemeinsamen Wirtschaftsraum etablieren. Im gleichen Atemzug hieß er aber auch die laufenden Verhandlungen der Ukraine über ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union gut. Beides wird sich wohl schwer ausgehen.

Auf den ersten Blick sind kaum Unterschiede in der wirtschaftspolitischen Ausrichtung der beiden Kontrahenten auszumachen. Sowohl Janukowitsch als auch Timoschenko schreckten bis zuletzt nicht vor höheren Staatsausgaben zurück. Zum Missfallen des IWF.

„Wichtig ist nicht, wer kommt, sondern dass die Instabilität verschwindet“, meint Gerhard Bösch, Vorstand der Raiffeisenbank Aval, des zweitgrößten Instituts des Landes gegenüber der „Presse“. Die Raiffeisen-Tochter bildet mit 4,8 Millionen Kunden und einer Bilanzsumme von 5,4 Milliarden Euro die Speerspitze der österreichischen Investoren im Land. Das Institut ist von der steigenden Verschuldung im Land stark betroffen. 525 Millionen Dollar an zusätzlichem Kapital waren im Vorjahr nötig, um es am Leben zu erhalten. Im September bezifferte die Bank den Anteil der notleidenden Kredite mit 20,8 Prozent. Die Wahl Janukowitschs sieht Bösch hingegen gelassen. Wie die meisten heimischen Firmen denkt er nicht an Rückzug. In zwei bis drei Jahren könne die Ukraine zu alten Wachstumsraten zurückkehren. Zumindest wenn die Weltwirtschaft nicht wieder einknickt.

 

Oligarchen als Rückhalt

Gregor Postl, der heimische Handelsdelegierte in Kiew, sieht im Gespräch mit der „Presse“ dennoch Veränderung auf Österreichs Unternehmen im Land zukommen. Anders als Timoschenko gilt Janukowitsch als beständig und berechenbar. Allerdings schuldet er wohl seinen Geldgebern, den Oligarchen aus dem Donbass-Becken, einiges. „Die Mannschaft wird ausgewechselt“, erwartet Postl. Das trifft all jene Unternehmen, die bisher vor allem mit staatsnahen Betrieben zusammengearbeitet haben, etwa die Bauwirtschaft. Mit dem Regierungswechsel müssen auch ihre Netzwerke neu geknüpft werden.


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