Nach der schweren Wahlschlappe für das bürgerlich-konservative Regierungslager bei den Regionalwahlen holt der französische Präsident Nicolas Sarkozy einen seiner Kritiker aus dem eigenen Lager ins Kabinett. Der 44 Jahre alte Abgeordnete Francois Baroin, ein Vertrauensmann von Ex-Präsident Jacques Chirac, solle Haushaltsminister werden, berichteten französische Medien unter Berufung auf Pariser Regierungskreise am Montag. Baroin, einst Chef der neogaullistischen Jugendorganisation, zählt zu den "jungen Wilden" der Regierungspartei UMP.
Baroin hatte Sarkozy kritisiert, weil dieser linke Politiker wie Außenminister Bernard Kouchner auf Regierungsposten gesetzt hatte. "Die Leute haben Sarkozy nicht gewählt, um Vertreter der Linken in allen Ämtern zu sehen", hatte er nach der ersten Runde der Regionalwahl am Sonntag vor einer Woche gesagt. Der Bürgermeister von Troyes war von 2005 bis 2007 Minister für die Überseegebiete und anschließend knapp zwei Monate Nachfolger von Sarkozy als Innenminister, während dieser sich auf die Präsidentschaftswahl vorbereitete.
Arbeitsminister könnte Regierung verlassen
Das konservative Wochenmagazin "Le Point" berichtete auf seiner Website, Baroin werde den bisherigen Haushaltsminister Eric Woerth ablösen. Dieser solle wiederum das Arbeits- und Sozialministerium von Xavier Darcos übernehmen. Laut "Le Monde" gilt Darcos durch seine schwere Niederlage in der Südwest-Region Aquitaine als "geschwächt" und könnte die Regierung verlassen.
Die linke Opposition war in der zweiten Runde der Wahl am Sonntag landesweit auf rund 54 Prozent gekommen, das Regierungslager auf etwa 36 Prozent. Bei den Regionalwahlen 2004 hatte das Verhältnis 50 zu 37 betragen. Damit konnten sich die Rechten in Frankreich (ohne Überseegebiete) lediglich im Elsass halten. Ihre zweite Bastion Korsika ging an die Opposition. In den beiden Überseeregionen Réunion und Französisch-Guyana konnte sich das Regierungslager durchsetzen. Beide haben in der nationalen Politik allerdings nicht viel Gewicht.
Überraschungssieger Front National
Zu den Überraschungssiegern zählt die rechtsextreme Partei Front National, die in den Regionen, in denen sie in der zweiten Runde angetreten war, auf knapp 18 Prozent kam; im landesweiten Schnitt erreichte sie knapp neun Prozent. Ihr 81 Jahre alter Parteichef Jean- Marie Le Pen räumte in Südfrankreich 23 Prozent der Stimmen ab, seine Tochter Marine kam im Norden auf 22 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag mit 51 Prozent vier Punkte höher als am vergangenen Sonntag.