Die schwarz-gelbe Koalition hat sich in Deutschland auf Eckpunkte einer Bankenabgabe zur Finanzierung künftiger Krisenfälle in der Branche verständigt. Über Details will Finanzminister Wolfgang Schäuble unverzüglich mit den Experten der Koalitionsfraktionen sprechen, wie er dem Radio-Sender SWR am Montag sagte. Das Kabinett könnte sich Koalitionskreisen zufolge schon in gut zwei Wochen mit einem Gesetzentwurf zu dem Thema befassen. Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte im ZDF, bei der Abgabe gehe es um eine Milliardensumme.
Lehren der Vergangenheit
Die Koalitionsspitzen haben am Sonntagabend nach Schäubles Worten eine Art Versicherungslösung für Banken ins Auge gefasst. Demnach würden die Abgabe in einen Fonds fließen, aus dem die Rettung künftiger Krisenfälle in der Finanzbranche bezahlt würde. Grob gesprochen soll sich die Höhe der Abgabe an der Größe und der Risikoträchtigkeit des betreffenden Instituts im Verhältnis zum gesamten Finanzsystem orientieren.
Ziel sei es, mit dem neuen Instrument Lehren aus der vergangenen Krise zu ziehen, sagte Schäuble. Die Regierung müsse einsehen, dass eine Finanztransaktionssteuer, die ebenfalls in der Überlegung war, nur global vereinbart werden könne. "Und dafür gibt es im Moment keine realistische Chance", sagte der Minister.
"Zocken" soll verhindert werden
Bemessungsgrundlage der Abgabe soll offenbar eine Art bereinigte Bilanzsumme des betreffenden Instituts sein. Sie soll nicht das Einlagengeschäft einschließen, für das es schon eine Sicherungseinrichtung besteht. Die Abführung muss laut Schäuble für die Institute zumutbar sein. Auch dürfe sie nicht ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigen, was in Anbetracht der Finanzierungsprobleme in der Wirtschaft fatal wäre.
Ein Kriterium bei der Bestimmung der Abgabenhöhe soll die Systemrelevanz einer Bank und ihre Risikoausprägung sein. Volksbanken oder Sparkassen würden deshalb weniger zu zahlen haben als hochvernetzte Großbanken, sagte Kauder. Das neue Instrument zielt nach seinen Worten darauf ab, "dass die Banken zukünftig nicht auf Kosten des Steuerzahlers zocken können."
Finanzsektor soll zurückzahlen
Der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler hatte ein Modell für die Abgabe entwickelt, das in eine ähnliche Richtung geht wie die Pläne der Koalition insgesamt. Nach seinen Vorstellungen soll die Finanzmarktsicherungsprämie an den Bankenrettungsfonds SoFFin fließen. Dieser soll nach Ansicht nicht nur Schäfflers zu einem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung weiterentwickelt werden.
Dem FDP-Politiker geht es nach eigenen Angaben auch um die Absicherung der Refinanzierung von Instituten durch Fremdkapital. Kernziel solle die Beteiligung des Finanzsektors an den für den Steuerzahler entstandenen Kosten der Finanzkrise sein. Schäuble dagegen geht es mehr um eine Vorsorge für künftige Krisenfälle.