Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck hat am Dienstag bei seinem Besuch in Jerusalem den Willen Deutschlands unterstrichen, für das Existenzrecht Israels einzutreten. "Das Eintreten für die Sicherheit und das Existenzrecht Israels ist für die deutsche Politik bestimmend", sagte er beim Empfang durch Staatspräsident Shimon Peres.
Das iranische Atomprogramm bereite ihm "große Sorge", sagte Gauck. Die iranischen Ambitionen stellten eine "konkrete Gefahr" für Israel und die ganze Region dar. Deutschland werde sich weiter für eine diplomatische Lösung einsetzen.
Im Anschluss an den Empfang wollten Gauck und Peres gemeinsam die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besuchen. Am Nachmittag kommt Gauck mit Vertretern von Regierung und Opposition zusammen.
Gauck "besorgt" über Haltung der Deutschen
In einem Interview mit der Zeitung "Haaretz" zeigte sich Gauck besorgt über eine immer kritischer werdende Haltung vieler Deutscher gegenüber Israel: "Ohne Umfragen überzubewerten: Als Freund Israels besorgen mich die Ergebnisse dennoch".
In einer Forsa-Umfrage für das Magazin "stern" hatten 59 Prozent der Deutschen das Land als "aggressiv" bewertet. 2009 waren es noch 49 Prozent. 70 Prozent der deutschen Bürger sind der Ansicht, Israel verfolge seine Interessen ohne Rücksicht auf andere Völker. Vor drei Jahren lag der Wert bei 59 Prozent. Nur noch 36 Prozent finden Israel laut Umfrage "sympathisch" - 2009 waren es noch 45 Prozent.
"Aus den Abgründen seiner Geschichte kommt Deutschland eine einzigartige Verantwortung gegenüber Israel zu", sagte Gauck laut "Haaretz". "Wachsende Ressentiments gegenüber Israel sind zwar nicht allein ein deutsches Phänomen, aber wir Deutsche sollten uns besonders kritisch fragen: In welchem Geist urteilen wir über israelische Politik? Doch bitte nur im Geist der Freundschaft. Da ist durchaus auch Platz für Kritik, nicht aber für Vorurteil!", betonte der deutsche Bundespräsident.