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Sport: Fußballmacht als WM-Zuschauer

04.11.2009 | 18:21 |  (Die Presse)

Schwache Liga, starke Legionäre: Erstmals verpasst Kroatien eine Fußball-WM.

ZAGREB/BELGRAD (ros). Selbst die Aussicht auf frühzeitige Sommerferien 2010 kann die Enttäuschung des vom Erfolg verlassenen Erfolgstrainers über die leichtfertig verspielten WM-Tickets kaum lindern. „Zu oft trafen wir den Pfosten oder die Latte, zu oft schossen wir am Tor vorbei oder darüber“, bilanziert Kroatiens Nationalcoach Slaven Bili? die missglückte WM-Qualifikation: „Das Glück hatte uns einfach verlassen.“

Erstmals seit der Unabhängigkeit haben Kroatiens erfolgsverwöhnte Nationalkicker als Gruppendritte hinter Favorit England und der schwächer eingestuften Ukraine die Qualifikation für eine WM verpasst. Als besonders bitter empfinden es die Fans der sportbegeisterten Nation, dass ausgerechnet Erzrivale Serbien dabei sein wird. Selbst Slowenien und Bosnien-Herzegowina können sich noch Hoffnungen machen. Dabei galt Kroatien stets als stärkste Fußballmacht aus der Erbmasse Exjugoslawiens.

Nach der Unabhängigkeit schaffte das Land schon im ersten Anlauf die Qualifikation zur EM 1996, wo das Team von Trainerlegende Miroslav Bla?evi? erst im Viertelfinale vom späteren Europameister Deutschland gestoppt wurde. Auch bei der WM 1998 in Frankreich sorgte Kroatiens „Goldene Generation“ mit Spielern wie dem legendären Torschützenkönig Davor Suker oder Filigrantechniker Robert Prosine?ki für Furore: Mit einem sensationellen dritten Rang krönte der WM-Neuling seine überragende Premiere.

 

Gähnend leere Stadien

Doch Kroatiens „goldene“ Kicker kamen in die Jahre – und die Equipe verpasste die Qualifikation für die EM 2000. Bei den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 sowie bei der EM 2004 war man zwar dabei, scheiterte aber in den Vorrunden.

Eine Verjüngung leitete seit 2006 der neue Coach Bili? ein: Einigen Altstars gab er den Laufpass, gleichzeitig sollten Nachwuchskicker wie Luka Modri? oder der eingebürgerte Eduardo da Silva für Belebung sorgen. Mit zwei denkwürdigen Siegen gegen England sicherte sich sein Team die Teilnahme für die EM 2008 in Österreich.

Seit 1994 ist Kroatien auf der Fifa-Rangliste vom 125. auf den achten Rang geklettert. Doch während die Nationalelf trotz der WM-Pleite dank starker Legionäre Perspektiven hat, ist es um das Niveau der Liga trist bestellt. Unter dem Zerfall Jugoslawiens hat der Vereinsfußball der Nachfolgestaaten in den neuen Miniligen schwer zu leiden. Gähnend leere Stadien, der anhaltende Auszug der Talente und Stars sowie das etwas eintönige Dauerduell zwischen Seriensieger Dinamo Zagreb und Hajduk Split prägen den Alltag.

Die Vereine streichen für ihre Nachwuchsperlen stattliche Ablösen ein. Die Folgen des ständigen Aderlasses: Die letzte erfolgreiche Qualifikation für die Champions League liegt über zehn Jahre zurück. Nur bei den „Gipfeltreffen“ Dinamo gegen Hajduk seien die Stadien „gut gefüllt“, berichtet Prosine?ki, nun Assistent des Nationaltrainers. Die Klubs hätten einfach kein Geld, um ihren Nachwuchs länger halten zu können: „Hier spielst du nur, damit dich einer sieht – und du so rasch wie möglich ins Ausland kannst.“


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