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Haider raste mit 1,8 Promille in den Tod

16.10.2008 | 11:54 | ROBERT BENEDIKT (Die Presse)

Wegen Attentats-Spekulationen wurde ein „großes Untersuchungs-Programm“ angeordnet.

KLAGENFURT. Gestern wurde offiziell, was man in Kärnten seit dem Wochenende gemunkelt hat: Jörg Haider war zum Zeitpunkt des tödlichen Unfalls an der Klagenfurter Stadtgrenze nicht nur mit 142 Stundenkilometern unterwegs, er hatte auch 1,8 Promille Alkohol im Blut. Angesichts der Vorbereitungen auf die Verabschiedung am Samstag und mit Rücksicht auf die große Trauer, die in Kärnten um den verstorbenen Landeshauptmann herrscht, wollte man diese Tatsache offensichtlich geheim halten.

Bis zum frühen Nachmittag bemühten sich Journalisten am Dienstag vergeblich, eine Klärung über die Alkoholisierung Haiders zu bekommen. Die ermittelnden Behörden gaben sich zugeknöpft. Mit der durchgesickerten Meldung von Haiders Alkoholisierung konfrontiert, sagte der Klagenfurter Staatsanwalt Gottfried Kranz zur „Presse“: „Ich kann das weder bestätigen noch dementieren.“ Der Fall sei für ihn abgeschlossen. Kranz bestätigte aber, dass es nicht üblich sei, bei tödlich Verunglückten Blutproben zu nehmen, wenn durch den Unfall kein Personenschaden entstanden ist. Im Falle Haiders seien die Begleitumstände jedoch besondere gewesen. Schon Stunden nach dem Unfall des Landeshauptmannes habe es Spekulationen über ein Attentat oder einen Vergiftungsanschlag gegeben. Deshalb habe man bei der Obduktion in der Grazer Gerichtsmedizin das „große Programm gefahren“, um jede nur erdenkliche Möglichkeit auszuschließen. Kranz: „Natürlich war der Landeshauptmann durch seine Bekanntheit über die Grenzen des Landes hinaus gefährdeter, einem Anschlag zum Opfer zu fallen, als der normale Mann von der Straße.“

Es blieb daher gestern dem designierten BZÖ-Bundesobmann Stefan Petzner vorbehalten, den Alkoholisierungsgrad seines Chefs zum Unfallzeitpunkt zu bestätigen. Weder vonseiten der Behörden noch der Familie gebe es dazu weitere Stellungnahmen. Nachsatz: „Ich kann nur appellieren, dass die Medien das akzeptieren.“ Dass Haider mit 1,8 Promille in den Tod raste, sollte, so Petzner, nicht weiter thematisiert werden (siehe Interview). Dass Haiders Umfeld versucht hat, die Meldung über den Alkoholisierungsgrad nicht nach außen dringen zu lassen, bestätigte das Justizministerium der „Presse“. Schon am Dienstag sei, so Sprecher Thomas Geiblinger, der „große Obduktionsbericht“ vorgelegen. Man hätte ihn von behördlicher Seite veröffentlichen wollen, Stefan Petzner habe dies jedoch im Auftrag der Familie abgelehnt. Diesem Wunsch sei man natürlich nachgekommen.

Indes bereitet sich ganz Kärnten auf die Trauerfeiern am Samstag vor. Bis zu tausend Polizisten werden in Klagenfurt zusammengezogen. Gerüchte, wonach es zu Kundgebungen von Neonazis kommen könnte, wurden von der Exekutive als rein spekulativ zurückgewiesen.

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