Die Grünen wagen ein Experiment mit "chaotischem Potenzial". Am Sonntag veranstalten sie im Rahmen ihrer Zukunftsdebatte einen Kongress mit über 600 Interessenten, bei dem über die dreißig Zukunftsthesen der Grünen diskutiert wird.
Rege Beteiligung im Web
Im Vorfeld haben sich schon im Internet tausende Menschen an der Debatte beteiligt, sagten Vizeparteichefin Maria Vassilakou und Bundesgeschäftsführerin Michaela Sburny bei einer Pressekonferenz am Freitag. Eine der am heftigsten diskutierten Themen sei das "klimafeindliche Schnitzel" gewesen.
Erfolg für Zuwanderungs-These
Neben der Schnitzel-These - das tägliche Schnitzel ist ungesund und klimafeindlich - sei die These "Österreich braucht Zuwanderung" am positivsten bewertet worden, fasste Vassilakou die Internet-Beiträge zusammen. Die unterschiedlichen Thesen werden bei einem Kongress am Sonntag unter 600 Leuten weiterdiskutiert. 300 bis 400 davon sind laut Sburny nicht aus dem näheren Umfeld der Grünen, also einfach nur interessierte Bürger.
Chaos-Potenzial "im positiven Sinn"
Der Zukunftskongress beginnt konventionell mit einer Rede von Bundessprecherin Eva Glawischnig. Anschließend werden in einem "World-Cafe" die Zukunftsthesen in Kleingruppen besprochen. Nach dem Mittagessen finden parallel unterschiedliche Arbeitsgruppen statt. Diese Gruppen beschäftigen sich mit den Themen Wirtschaft und Arbeitsmarkt, Migration und Bildung. Dabei werden unterschiedliche Diskussionsmethoden angewendet, in der Gruppe Bildung ist es das "Soziodrama" - eine Aufstellung, bei der die Teilnehmer verschiedene Rolle, etwa der Lehrer-Gewerkschaft, einnehmen. Sburny gestand für den Kongress ein gewisses Chaos-Potenzial ein, aber "im positiven Sinn".
Wiener Vassilakou freut sich
Sehr zufrieden zeigte sich Vassilakou mit dem Verlauf der Internet-Debatte. Es habe tausende Beiträge gegeben. Diese seien von hoher Qualität gewesen, Untergriffiges sei ausgeblieben. In einem Posting heißt es etwa zur beliebten "Schnitzel"-These: "Wer sich den geschmackvollen Rohmilchkäse einer (Bio) Kräuterwiesen verwöhnten Kuh noch nicht auf der Zunge zergehen lassen hat, sollte das schleunigst nachholen!" Zur These "Österreich braucht Zuwanderung" schreibt ein User: "Österreich braucht vor allem die Zuwanderung von Grünwählern - sonst sterben diese bald aus!"