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Basisdemokratie: Blind-Date für Anhänger der Grünen

22.11.2009 | 18:13 | PHILIPP AICHINGER (Die Presse)

Im Colosseum XXI in Wien-Floridsdorf hielten die Grünen am Sonntag ihren Zukunftskongress ab und diskutierten dabei über Gott und die Welt.

Wien. Grün-Mandatar Werner Kogler war bedacht, alle in seinem Umfeld an der Diskussion zu beteiligen. „Und was sagt ihr dazu?“, fragte er eine Gruppe junger Leute. „Ich sage, dass wir einfach zu viele sind“, antwortete ein Jugendlicher prompt – und blickte auf die vielen Personen, die sich rund um den Tisch scharrten.

Im Colosseum XXI in Wien-Floridsdorf hielten die Grünen am Sonntag ihren Zukunftskongress ab. Statt Gladiatoren duellierten sich im Colosseum aber rund 360Diskutanten. Es galt, die von den Grünen gern zitierte Basisdemokratie zu leben. „Einfache“ Bürger und Grün-Politiker zogen von Tisch zu Tisch, um dort in verschiedenen Gruppen das Gespräch zu suchen. Die Größe der Gruppen war aber manchmal unterschiedlich ausgeprägt. Während sich rund um Kogler zehn Personen gleichzeitig fanden, suchten manche an ihrem Tisch mit sehnsüchtigem Blick nach potenziellen Diskussionspartnern.

Tatsächlich war ein gutes Drittel der 600 angekündigten Diskutanten nicht gekommen. Wer aber den Weg in die Halle fand, der zeigte sich mit dem von den Grünen gewählten Konzept durchwegs zufrieden. Vier Wochen lang waren im Internet 30Zukunftsthesen diskutiert worden. Nun galt es, die Debatte von Angesicht zu Angesicht fortzusetzen.

 

„Gegenteil von Marketing“

„Der Wert der Bildung muss angehoben werden“, betonte etwa die Architekturstudentin Verena Hausmann. Zusammen mit einer Pensionistin, einer weiteren Studentin und einem Grün-Politiker versuchte die junge Frau, Bildungskonzepte zu erarbeiten. Mitten in die Debatte platzte aber das Zeichen der „Spielleiterin“. Nun galt es, sich neue Diskutanten zu suchen. Ein paar Tische weiter kam jetzt eine Runde zusammen, die über die Zukunft der Grünen selbst sinnierte. „Wir machen genau das Gegenteil von Marketing“, kritisierte Christian Kaltenegger, Ersatzgemeinderat der Grünen in Klagenfurt. „Wir bestimmen, was der Köder ist und wundern uns dann, wenn die Fische nicht anbeißen“, sagte Kaltenegger. An seinem Diskussionstisch erntete er Zustimmung. Mit dem Stift schrieb die Gruppe nun auf einem großen Bogen Papier eine Zukunftsthese, selbstverständlich gendergerecht: „Unseren SympathisantInnen Lösungen für jene Probleme anbieten, die sie bewegen“, wurde notiert.

Dramen spielten sich rund zwanzig Meter entfernt ab. „Das geht jetzt aber zu weit, der Stuhl bleibt hier“, schrie ein älterer Mann. Er fürchtete um die Sitzgelegenheiten für seine Diskussionsgruppe. Aber auch dieses Problem ließ sich schlussendlich basisdemokratisch lösen.


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