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Land der Untauglichen: Sorgen für das Bundesheer

22.11.2009 | 18:13 | Regina Pöll (Die Presse)

Immer mehr junge Männer sind körperlich oder geistig nicht fit. Psychische Probleme, aber auch Hörstörungen nehmen zu. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache.

Wien. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Für das Jahr 2000 wies der jährliche Gesundheitsbericht der Statistik Austria 8,7 Prozent endgültig Untaugliche unter den jungen Männern des Landes aus. Doch diese Zahl ist in den folgenden Jahren stets um ein paar Zehntelpunkte gestiegen – auf 12,8 Prozent im Jahr 2006.

Für das Vorjahr, für das es (ebenso wie für 2007) noch keinen Gesundheitsbericht gibt, spricht das Verteidigungsministerium sogar von knapp 15 Prozent Untauglichen unter den rund 45.000  Getesteten, die sich in diesem Jahr der Stellung unterzogen. Tendenz: steigend, vermuten Experten.

Seelische Störungen

Sind die jungen Männer ab 18 heute einfach nicht mehr fit – körperlich, geistig oder beides? Oder wollen sie sich vor der Wehrpflicht drücken? Auffallend ist jedenfalls die Zahl jener, die gemäß Statistik Austria wegen seelischer Störungen für untauglich befunden werden. Im Jahr 2000 machte diese Gruppe noch 18,9 Prozent aller Untauglichen aus, 2006 waren es 25,1 Prozent, die wegen ihrer Psyche ein für alle Mal ausschieden. Wegen seelischer Störungen vorübergehend für untauglich befunden, also auf einen weiteren Test bei einer zweiten oder dritten Stellung beispielsweise in einem Jahr verwiesen, wurden im Jahr 2000 13 Prozent, 2006 waren es sogar 18,9 Prozent.

Militärmediziner Wolfgang Gerl bestätigt diesen Trend gegenüber der „Presse“: Seelische Störungen kämen immer wieder vor, selbst starke Auffälligkeiten, beispielsweise heftige Aggressionen. Sie seien aber im Gegensatz zu schlechtem sozialen Verhalten die Ausnahme.

Noch mehr Sorgen macht Gerl der allgemein geänderte Gesundheitszustand, den gerade die jungen Männer widerspiegeln würden. „Auffallend sind falsche Ernährung, Überernährung oder Gehörschäden, die immer stärker zunehmen.“ Diskobesuche täten ein Übriges, dass Jugendliche mitunter beinahe als Schwerhörige zum Heer kommen – und schon bei der Stellung ausgemustert werden. Die körperliche Fitness sei allgemein heute viel schlechter als noch vor zehn Jahren, so Gerl. „Es bräuchte dringend Prävention für mehr Gesundheit, und zwar schon vom Kindergarten an.“

Was in häufigen Fällen untauglich mache, sei eine Kombination aus Leiden: etwa eine leichte Stoffwechselstörung mit einer Störung im Bewegungsapparat und Folgeschäden nach einer Operation. In solchen Fällen liege eine Untauglichkeit nahe, da bringe eine zweite oder dritte Stellung gar nichts, sagt der Mediziner.

Und wie hoch ist die Chance, dass junge Männer Leiden vortäuschen? „Sich durch das Vorschieben irgendwelcher Beschwerden und Diagnosen willentlich untauglich zu machen ist zwar nicht unmöglich, aber sicher nicht einfach“, sagt der Mediziner.

 

Große Sprachprobleme

Sogar sich für unintelligent auszugeben, könnte in ganz seltenen Fällen gelingen. „Aber im Zuge der Stellung werden Fragen gestellt, die frühere Antworten überprüfen“ – so würden die meisten, die sich mit einem schlechten Intelligenztest, der am Computer und bei einem Psychologen stattfindet, drücken wollen, auffliegen.

Klar steigend ist die Zahl solcher, die ausgemustert werden müssen, weil sie große Sprachprobleme haben und selbst einfache Anweisungen nicht verstehen. „Das hat auch mit der steigenden Zahl an Einbürgerungen zu tun.“

 

Fehler und Anomalien

2006 wurden bei den Stellungen gemäß Statistik Austria unter allen Untersuchten die häufigsten Fehler und Anomalien im Bereich „Skelett, Muskeln und Bindegewebe“ (21 Prozent) vermerkt; die zweithäufigsten Einträge gab es bei „Endokrinologie, Stoffwechsel und Ernährung“ (11,1 Prozent); die dritthäufigsten bei „seelischen Störungen“ (10,5 Prozent).

Unter den endgültig Untauglichen allein lagen im Jahr 2006 die seelischen Störungen mit 25,1 Prozent deutlich vorne, gefolgt von angeborenen Missbildungen (11,3 Prozent) und „Ohren, Gehör, Warzenfortsatz“ (9,8 Prozent).

Wegen einer Verletzung oder eines unklaren Befundes vorübergehend untauglich waren im Jahr 2000 5,6 Prozent aller Untersuchten, 2006 waren es 8,7 Prozent.


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