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Mensdorff in Nöten: Sie nannten ihn den "Jäger"

21.06.2012 | 18:12 | REGINA PÖLL (Die Presse)

Es wird eng für Alfons Mensdorff-Pouilly. Der Lobbyist soll für Motorola den Mittler gemacht und Geld verteilt haben, glaubt man im Korruptions-U-Ausschuss zur Affäre um die Blaulichtfunk-Vergabe.

Wien. Es wird eng für Alfons Mensdorff-Pouilly. Selbst ein passionierter Jäger, bliesen die Abgeordneten des Korruptions-U-Ausschusses am Donnerstag zum Halali auf den Lobbyisten und ÖVP-Vertrauten: Welche Rolle spielte er in der Tetron-Affäre? Dabei handelt es sich um den Auftrag für den Blaulichtfunk, der 2002 an ein Konsortium um Siemens („Adonis“) ging, 2003 in einem zweiten Anlauf aber an ein Konsortium aus Motorola und Alcatel („Tetron“).

Mensdorff im Fadenkreuz: War er der zentrale Mittler für Motorola und Co., um deren Funksystem doch noch im Innenministerium durchzubringen? Fast sieht es nach der Befragung eines früheren Mitarbeiters von Motorola Wien, Josef Neureiter, so aus. Bei Motorola – konkret: bei der maßgeblichen Niederlassung in Deutschland – war „Graf Ali“ jedenfalls kein Unbekannter. Obwohl ihm der Motorola-Deutschland-Manager Hans-Joachim Wirth sogleich einen Codenamen verpasste: „Der Jäger“ sollte Mensdorff auf seine Anweisung hin auch intern nur noch genannt werden, sagte Neureiter. Warum? Wirth sei eben generell „geheimniskrämerisch“. Der Manager selbst, inzwischen bei Motorola suspendiert, ist dem U- Ausschuss gestern unentschuldigt ferngeblieben. Bald könnte er erneut geladen werden.

Peter Pilz von den Grünen ging in seiner Erklärung für Mensdorffs Codenamen weiter als Neureiter: Motorola Deutschland habe gewollt, dass die US-Mutter nichts von Mensdorffs Rolle bei Tetron erfährt. Und zwar so: Motorola engagierte die Firma Valurex, um „Zugang“ in Österreich vom Innen- bis zum Finanzressort zu erhalten, das bestätigte auch Neureiter. Dafür sollte die US-Mutter 1,9 Mio. Euro bezahlen. Dies, ohne zu wissen, dass es Schmiergeld war, so Pilz: Teil der bis zu 4,4 Mio. Euro, die seitens Tetron an Mittler und Entscheidungsträger gegangen sein sollen. Und zwar dafür, dass „Adonis“ abgeblasen wurde – wegen technischer Mängel, die mehrere Experten aber abstreiten.

Hinter Valurex soll in der Causa Tetron freilich Mensdorff gestanden sein und nicht die eigentlichen „Firmen-Köpfe“ von Genf bis London, wie Pilz und andere – darunter Stefan Petzner vom BZÖ – mutmaßten. Das schlossen sie unter anderem aus E-Mails, die von Motorola außer an offizielle Vertreter von Valurex auch an einen Mensdorff-Mitarbeiter gingen. Über die Beziehung zwischen Mensdorff und Valurex wisse er nichts, sagte Neureiter. Am Mittwoch hatte schon Ex-Innenminister Ernst Strasser betont, „ahnungslos“ über Schmiergeld zu sein. Für Dienstag ist zum zweiten Mal Mensdorff selbst geladen. Dann wird er, wie bereits in Bezug auf Telekom-Zahlungen, zu seinen Jagdgesellschaften befragt werden. Solche veranstaltete er offenbar auch auf Kosten Motorolas.

PR-Frau über Mensdorff: „Ein Gentleman“

Für Unglauben – und Lacher – sorgte gestern Abend PR-Beraterin Verena Karimi, Exfrau des Strasser-Vertrauten Christoph Ulmer, der Tetron in dessen Auftrag abwickeln sollte. „Es gab keinen Grund, dass Doktor Ulmer mir Gutes gewollt hätte“, sagte sie dazu, warum genau sie, eine Einzelunternehmerin, 2004 einen Auftrag vom „Weltkonzern Motorola“ (Petzner) bekam. Sie habe das wohl dem Ruf ihrer Firma zu verdanken, meinte sie zu Spekulationen, sie sei gewählt worden, um (Schmier-)Geldflüsse zu rechtfertigen.
Und Mensdorff? Der sei ein „Gentleman“, der sie auch zum Jagen eingeladen habe: erstmals vor 15 Jahren, nach bestandener Jagdprüfung. Die habe sie mit der einstigen ÖVP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat abgelegt – der Gattin des „Jägers“.


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