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Gestresste Männer bevorzugen fülligere Frauen

08.08.2012 | 23:00 |  (Die Presse)

Wenn Männer unter Hunger oder Stress leiden, ändert sich ihr Blick: Sie finden dickere Partnerinnen attraktiv.

„Lasst fette Männer um mich sein, mit glattem Haar und gutem Schlaf, der Cassius hat einen hohlen Blick, er denkt zu viel: Die Leute sind gefährlich.“ Das legt Shakespeare seinem Cäsar in den Mund, und der Dichter kannte sich nicht nur in der Sprache aus, sondern auch in der Psychologie: Wir glauben an der Körperfülle anderer ablesen zu können, welchen Charakter sie haben und wie sie uns gesinnt sind. Wir merken es nur meist nicht, es ist unterschwellig und unterliegt ganz eigenen Gesetzen, nicht nur bei Freund und Feind, sondern auch und vor allem bei der Partnerwahl, das vermutet zumindest die „Environmental Security Hypotheses“: Sie stützt sich darauf, dass Männer – und auch Männchen vieler Tierarten – dann stärker gebaute Frauen bzw. Weibchen bevorzugen, wenn sie hungrig sind.

Schlechte Konjunktur, schwere Playmates

Dann schließen sie aus dem wohlgenährten Körper, dass er erstens weiß, wo es Nahrung gibt, und dass er zweitens kräftig genug ist, Beistand zu leisten. Das zeigt sich etwa daran, dass in den USA in ökonomisch harten Zeiten fülligere Filmschauspielerinnen Konjunktur haben. Terry Pettijohn II (Mercyhurst College) hat es bemerkt, er ist auch bei den „Playmates“ im Playboy darauf gestoßen: Bei schlechter Konjunktur sind sie älter, schwerer und größer. Dieses Feld hat Pettijohn II lange fast im Alleingang beackert, nun hat er Mitstreiter gefunden, Viren Swami (London) und Martin Tovée (Newcastle).

Die wollten klären, wie Stress den Blick auf das andere Geschlecht beeinflusst, sie haben deshalb Studenten ins Labor geladen – Männer, der ganze Forschungszweig interessiert sich eigenartigerweise nur für deren Blick – und sie dort erst einmal unter Stress gesetzt: Sie sollten sich vor einer fiktiven Kommission in einem fiktiven Bewerbungsgespräch präsentieren, 20 Minuten später kam dann der eigentliche Test, nach dieser Zeit ist die Reaktion des Körpers auf Stress am höchsten. Nun bekamen die Probanden zehn Fotos von Frauen vorgelegt – mit unterschiedlichem Body-Mass-Index, von spindeldürr bis XXXL – und sollten die Attraktivität auf einer neunteiligen Skala bewerten. Eine Kontrollgruppe bekam diese Aufgabe ohne vorherigen Stress.

Die bevorzugten schlankere Silhouetten, bei den anderen hingegen wirkte der Stress (PLoS One, 8. 8.): „Sie wählten signifikant schwerere Frauenkörper“, fassen die Forscher zusammen, „damit ist erstmals experimentell gezeigt, dass Stress die Urteile von Männern über Frauenkörper prägt.“ jl


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