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Lange Nacht der Forschung: Wissenschaft als Breitensport

02.11.2009 | 18:35 | VERONIKA SCHMIDT (Die Presse)

Bei Österreichs größter Aktion der Wissenschaftsvermittlung kann sich jeder selbst ein Bild der spannenden Forschung machen.

Es scheint schwierig zu sein, in Österreich ein griffiges Bild von „der Wissenschaft“ zu finden. Zum dritten Mal geht Samstagnacht die „Lange Nacht der Forschung“ über die Bühne – bzw. über die 570 teilnehmenden Stationen in Dornbirn, Graz, Innsbruck, Krems, Tulln, Linz, Salzburg und Wien. So wichtig die größte Wissenschaftsvermittlung des Landes ist, so ratlos scheint man bei der Suche nach einem lebendigen und coolen Bild davon zu sein. Wurde letztes Jahr das Sujet mit dem verstaubt wirkenden, alten Forscher kritisiert, der genau das altmodische Bild vermittelt, gegen das junge Forscher ankämpfen, hat man heuer ein weit geöffnetes Auge als Bild gewählt, das mit hochgezogenen Augenbrauen durch ein aufgebrochenes Loch des Werbefolders schaut. Daneben die Aufschrift: „Sei nicht so neugierig!“

Genau das Gegenteil, das Fördern der Neugierde und der Begeisterungsfähigkeit junger Menschen, wird hier freilich bezweckt. Denn in Österreich werden in den nächsten Jahren tausende Absolventen aus Naturwissenschaft und Technik fehlen, wenn man es nicht bald schafft, „den Forschergeist der Kinder nicht verlöschen zu lassen“, wie es Infrastrukturministerin Doris Bures bei der Präsentation im Wiener „Haus der Forschung“ betonte.

 

Werbung für die Wissenschaft

Denn Österreich hat großen Aufholbedarf bei der Popularität von Wissenschaft, wie der Ratsvorsitzende für Forschung und Technologieentwicklung, Knut Consemüller, berichtet: Unter 17 Industrienationen haben nur Spanier mehr Angst vor den Folgen von Forschung und Entwicklung als Österreicher, und bei dem Wunsch nach größerem Einfluss der Wissenschaft auf gesellschaftliche Entscheidungen der Politik liegen wir auf dem letzten Platz. Wissenschaftsminister Johannes Hahn entgegnet, dass die Medienlandschaft aber zeige, wie das Bedürfnis der Gesellschaft nach Wissenschaft in den letzten Jahren zugenommen habe. Vor allem die Regierung nehme das Thema ernst: Die gemeinsame Forschungsstrategie soll im Sommer 2010 vorliegen. Auch die Nachfrage der Forscher nach Kontakt zur Öffentlichkeit steigt: 99 Standorte bieten am Samstag Stationen zum Mitmachen an.

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner zeigte sich erfreut, dass auch 61 Unternehmen, davon 38 KMU, ihre Türen zum F&E-Bereich öffnen: „So wird Forschung zum Breitensport.“ Breitenwirksamkeit hat auch der Facebook-Auftritt der „Langen Nacht der Forschung“ bei jungen Leuten. Vielleicht braucht es also gar kein griffiges Bild für die Wissenschaftswerbung? Denn die „Lange Nacht der Forschung“ ist die beste Möglichkeit, selbst rauszugehen und sich sein eigenes Bild davon zu machen, wie Wissenschaft und Forschung anno 2009 aussehen. Es könnte ja sein, dass manche Stationen eine Begeisterung auslösen wie sonst nur heimischer Spitzensport.
Termin: Samstag, 7.11., ab Sonnenuntergang (etwa 16.30Uhr) bis Mitternacht. Programm: www.langenachtderforschung.at.


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