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Hoffnung bei Haarausfall

22.03.2012 | 16:01 |  (Die Presse)

Forscher der University of Pennsylvania haben ein Hormon identifiziert, das zu Glatzenbildung führt: Prostaglandin D2. Offenbar unterdrückt das Hormon die Aktivität der Stammzellen, aus denen Haare sprießen.

Fliegenkot oder verbrannte Igelstacheln empfiehlt das älteste medizinische Lehrbuch – der ägyptische Papyrus Eibers aus dem 16. Jahrhundert v. Chr. – gegen das Leiden, das keine Schmerzen bereitet, aber das Selbstwertgefühl ausdünnt wie kein zweites, die androgenetische Alopezie (AGA), zu Deutsch: vorzeitige Glatzenbildung. Acht von zehn Männern erleiden sie irgendwann, auch Frauen kann es treffen, und nicht nur bei den Ägyptern blieb nichts unversucht.

Das ließ Geldberge sprießen, neue Haare nicht. Das wird wohl auch der neueste Hoffnungsträger nicht können. Aber er könnte verhindern, dass sich überhaupt eine Glatze bildet. Darauf hoffen Ärzte um George Cotsarelis (University of Pennsylvania), die an Männern mit Glatzenbildung die Genaktivitäten der Kopfhaut in schon schütteren mit denen in noch dicht behaarten Regionen verglichen haben: Wo es kahl ist, fiel vor allem ein Enzym bzw. sein Produkt auf, Prostaglandin D2. Das ist ein Hormon mit vielen Funktionen, es spielt etwa bei Entzündungen mit. Und in der Kopfhaut ist ihre Konzentration dort, wo die Haare sich ausdünnen – und das tun sie bei der Glatze, sie fallen nicht wirklich aus, sondern werden mikroskopisch klein –, dreimal so hoch wie an noch normal bewachsenen Stellen. Offenbar unterdrückt das Hormon die Aktivität der Stammzellen, aus denen Haare sprießen (Science Trans. Med. 21. 4.).

Also müsste man das Prostaglandin blockieren bzw. den Rezeptor, an dem es ansetzt, GPR44. In beiden Richtungen wird – aus anderen Gründen – intensiv geforscht, das stimmt Cotsarelis zuversichtlich, dass sein Befund „direkt zu Therapien“ führt: GPR44 wirkt bei Allergien mit, deshalb sind potenzielle Blocker in klinischen Tests. Gar schon als Medikament – zur Senkung des Augendrucks – gibt es ein anderes Prostaglandin (2α), das das D2 neutralisiert. Es hat eine Nebenwirkung: Es lässt die Wimpern wachsen.  jl


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