Majestät ist zufrieden. Der junge Mann, den er eben erst zum Lordkanzler gekürt hat, besitzt alles, was er sichwünscht: Er ist klug, gebildet, loyal. Ein idealer Partner für hochfliegende Pläne und ein wirklicher Freund. Der englische König, in jenen Tagen auch Herrscherüber Teile Frankreichs, kämpft mit vielen Gegnern. Sein neuer Kanzler, ein Erzdiakon, soll ihm dabei zur Seite stehen.
Die beiden finden sich in politischen Entscheidungen und in ihrer Liebe für die Freuden des Lebens. König und Kanzler, so heißt es im Volk, teilen ein Herz und einen Verstand. Der Monarch gestehtseinem Freund aber auch einiges zu. Selbst als dieser 1162 das Amt des Erzbischofs von Canterbury annimmt und an Macht gewinnt, scheint der König nicht weiter beunruhigt. Und dann das: Der Kanzler legt sein Amt nieder, um fortan allein Gott zu dienen.
Der Regent ist irritiert. Was, wenn sichder neue Erzbischof von Canterbury den Direktiven der Krone weiter widersetzt und fortan nur den Papst als Autorität anerkennt? Seine Befürchtungen bewahrheiten sich: Als es der Bischof immer rigoroser ablehnt, einen Teil seiner juristischen Agenden auf den König zu übertragen, kommt es zum Streit. Als derThronfolger, „Young King“ genannt, von den Bischöfen von York, Salisbury und London gekrönt wird und nicht von ihm, dem Erzbischof, spitzt sich der Konflikt zu. Die drei Geistlichen werden exkommuniziert.
Nun scheint das Fass voll: Der König hat das hitzige Temperament der Plantagenets geerbt, selbst seine kluge Gattin, Eleonore von Aquitanien, vermag ihn nicht zu bremsen. „Wer erlöst mich von diesem aufrührerischen Priester?“, soll er gebrüllt haben. Vier seiner Ritter werden umgehend tätig: Wenig später ist der Bischof tot, ermordet.
Der alte König muss zusehen, wiesein früherer Freund als Märtyrer gefeiert und heiliggesprochen wird. Er schwenkt um und gibt sich reuig: Majestät pilgert nach Canterbury und verbringt eineNacht am Grab, betend und auf Knien.Mission erfüllt? Die Rolle des Bösewichts bleibt ihm auf den Leib geschrieben. ■
Wer traf wen? Welche Autoren haben
den Mord literarisch verarbeitet? Was
verbindet den drittgeborenen Sohn
des Monarchen, der selbst König von
England wurde, mit Österreich?