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Treffer: Der einsame Schnurrbart

20.11.2009 | 18:39 |  (Die Presse)

Eine Radiosendung, die Furore machen sollte: Eine Handvoll Intellektueller und Schriftsteller diskutierte die politische Lage ihres Landes.

Dabei fielen Sätze, die für einen handfesten Skandal sorgten:„Wenn man sich die Plakate ansieht, die einem an jeder Pariser Mauer ins Gesicht springen... Haben Sie es sich angesehen, dieses Großporträt? Das versetzt ei- nem einen Schock, dieser kleine Schnurrbart und dazu die schweren Augenlider. Abgesehen von der Stirnsträhne ist alles da, alles! Und jeder Passant denkt: Aber das ist doch...“

Ein Sturm der Entrüstung im Lager desGeschmähten war die Folge, handelte es sich doch um eine gefeierte Ikone der Résistance. Der Bekannteste unter den Teilnehmern der Radiodiskussion, der insgleiche Horn geblasen hatte, ruderte balddanach zurück: „Man behauptet, ich hätte ihn mit Hitler verglichen – das istfalsch. Ich habe die Plakate seiner Partei mit bestimmten Plakaten der Nazi-Propaganda verglichen.“

Den Aufstieg des Politikers konnte der Schriftsteller indes nicht verhindern. Unddie Gegnerschaft der beiden blieb eine lebenslange. Der Anlass für die nächste Auseinandersetzung war ein umstrittener Kolonialkrieg in einem nordafrikanischen Land und eine Verfassungskrise, in deren Verlauf sich der Politiker mit Sondervollmachten ausstatten ließ. Wieder war der Dichter und Denker zur Stelle: „Was sind seine Pläne? Die Einsamkeit dieses in seiner Größe eingefangenenMannes verbietet es ihm unter allen Umständen, das Oberhaupt eines republikanischen Staates zu werden.“ Was erfürchtete, war eine katholische, nationalistische Militärdiktatur.

Inzwischen hatte der Schriftsteller und Philosoph eine derartige Popularität erreicht, dass er für die Anhänger seines Gegners zur verhassten Symbolfigur wurde. Demonstranten, Befürworter des Kolonialkriegs, meinten ihn, als sie auf den Champs-Élysées schrien: „Erschießt ihn!“Andere forderten zumindest seine Verhaftung. In dieser Situation fielen diedenkwürdigen Worte des Staatsmannes, der ein Jahrzehnt zuvor mit Hitler verglichen worden war: „Einen Voltaire verhaftet man nicht.“

Den Respekt, der aus diesen Wortensprach, zollte ihm sein literarischer Kontrahent nie. Sein Kommentar nach dem Tod des Politikers: „Ich habe nie Achtung vor ihm empfunden.“ ■


Wer traf wen? Die Ämter des Politikers?


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