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Sprachspaltereien: Nur keine Schweinsgrippe!

20.11.2009 | 18:40 | Eva Male (Die Presse)

An sich sind die Deutschen ja keine Freunde des Fugen-S, aber just beim Adventkalender bestehen sie darauf:

Nolens volens muss die Berlin-Korrespondentin daher einen (oder mehrere) Adventskalender kaufen, auch wenn das für österreichische Ohren noch so seltsam klingen mag. Beim Adventskranz verhaspelt sich unsereins dann vollends. Ein Zungenbrecher, ts, ts, ts. Also doch lieber selber machen. Umgekehrt beharre ich auch in Berlin auf dem geliebten Schweinsbraten. Hier ist das Fugen-S vertraut, zischt wie die Sauce, saftig im Klang. Sollen die Deutschen ruhig Schweinebraten servieren, im Mund der Österreicher wird er zum Schweinsbraten, und damit basta. Nur bei der Schweinegrippe zeigen wir uns großzügig und verzichten auf das Fugen-S. Oder hätten Sie lieber die Schweinsgrippe?

Zusätzlich zu den Adventskalenderntauchen in den Geschäften Deutschlands derzeit auch wieder vermehrt die Teelichte auf. Warum die armen kein R am Schluss haben, ist unergründlich. Vielleicht wurde es als Ausgleich zum überflüssigen Fugen-S beim Adventskalender eingespart?

Die Deutschen sind sprachlich erfinderisch. So brachte eine ehemalige DDR-Bürgerin die Alltagsfähigkeiten der Ostdeutschen eindrücklich auf den Punkt: „Wir verstehen es, aus Scheiße Bonbons zu machen.“ Gerade in der Weihnachtszeit kann einem das zupass kommen. So wird sogar der Kauf von Christbaumbehang überflüssig . . . Da können nicht nur die Österreicher, sondern auch die Westdeutschen noch etwas lernen.


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