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Joseph Blatter: Der Präsident lehnt seinen Rücktritt ab

17.07.2012 | 18:28 |  (Die Presse)

Fifa-Präsident Joseph Blatter (76) fühlt sich missverstanden und wagt den Versuch der Entschuldigung. In Deutschland möchte man davon nichts wissen. Dem Schweizer soll man das Bundesverdienstkreuz entziehen.

Joseph Blatter bleibt stur auf seinem Sessel sitzen. Der Fifa-Präsident negiert die zahlreichen Forderungen nach seinem Rücktritt, die nach dem Interview im „SonntagsBlick“ und seinen Aussagen zu einer womöglich „gekauften WM 2006“ in den vergangenen Tagen auf ihn zugekommen waren. Stattdessen treibt der 76-Jährige munter seine eigenen Reformen im angeschlagenen Fußballweltverband voran.

„Ich bin ein glücklicher Präsident, weil unserer Reformprozess weitergeht. Ich als Präsident werde diesen Reformprozess begleiten“, sagte Blatter beim Fifa-Kongress in Zürich. „Über die Position des Präsidenten kann nur der Kongress entscheiden.“

 

Brief an „Fußball-Deutschland“

In einem offenen Brief an „Fußball-Deutschland“ relativierte Blatter auch seine höchst umstrittenen Aussagen. Er will so etwas wiedergutmachen, was nicht gutzumachen ist. „Bei WM-Vergaben findet man immer einen Grund, um irgendwelche Verschwörungstheorien zu spinnen. Sogar im Zusammenhang mit Deutschland, das eine perfekte WM ablieferte“, sagte Blatter, der seit 1998 dem Weltverband vorsteht, der „Bild“-Zeitung. Blatter betont, selbst nicht an Verschwörungstheorien, sondern ausschließlich nur an Fakten zu glauben. Deshalb käme es ihm auch nicht in den Sinn, den Entscheid pro Deutschland ernsthaft zu hinterfragen. „Solange keine konkreten Beweise vorliegen, dass bei irgendeiner Vergabe etwas schiefgelaufen ist, muss und soll man an der Rechtmäßigkeit der Wahl festhalten. Dies gilt für Deutschland ebenso wie für alle anderen Länder. Das ist die Kernaussage meiner Botschaft.“

Blatters Versuch der Entschuldigung wird in Deutschland zur Kenntnis genommen. Mehr nicht. Der Stachel des Entsetzens sitzt zu tief. Eine Fußballnation und seine Politiker sind erzürnt.

Für viele soll der streitbare Schweizer auch nicht länger Träger des Bundesverdienstkreuzes sein. „Eine Entziehung der Auszeichnung halte ich für dringend geboten“, bemerkte dazu Wolfgang Nešković, Mitglied der Linke-Fraktion und ehemaliger Richter am Bundesgerichtshof, gegenüber der „Welt“. 2006 hatte Blatter die Auszeichnung erhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich damals vehement dafür eingesetzt, nachdem „die Fifa durch die Vergabe der WM großes Vertrauen in uns Deutsche gesetzt hat“.

 

Die Ironie des Schicksals

Deutschland sitzt Blatter also im Nacken. Es versprüht einen Hauch Ironie, dass der deutsche Richter Joachim Eckert und der amerikanische Staatsanwalt Michael Garcia nun in der Fifa den Kampf gegen die Korruption voranbringen sollen. Die Juristen wurden am Dienstag vom Exekutivkomitee des Weltverbandes zu den Vorsitzenden der zwei Kammern der Ethikkommission ernannt.

In Asien ist man bereits einen Schritt weiter. Mohamed bin Hammam, ehemaliger Fifa-Präsidentschaftskandidat aus Katar, wurde vom asiatischen Verband AFC suspendiert. Langwierige Prüfungen von Verbandskonten brachten neue Vorwürfe wegen finanziellen Fehlverhaltens ans Licht. Bin Hammams Suspendierung wurde wegen „Ereignissen rund um Verhandlung und Abwicklung gewisser Verträge und Transaktionen“ mit seinen privaten Konten sowie denjenigen des AFC während seiner Amtszeit im asiatischen Verband nötig. Die Ethikkommission hatte einen versuchten Stimmenkauf durch den heute 63-Jährigen im Vorfeld der Präsidentenwahl des Weltverbands Anfang Juni 2011 als erwiesen angesehen.

Der Beschuldigte soll auf einer Sondersitzung des Karibischen Fußballverbandes (CFU) am 10. und 11.Mai in Trinidad und Tobago versucht haben, CFU-Funktionäre mit Geldgeschenken in Höhe von jeweils 40.000 Dollar zu bestechen. Bin Hammam kämpft seitdem vor dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne gegen seine Sperre an.

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