WIEN/SALZBURG (dat). Er wurde geholt, um das unattraktive Spiel von Salzburgs Bullen wieder in eine Show zu verwandeln. Er soll die zuletzt eher vernachlässigte Offensive beflügeln und vor allem dem Nachwuchs gehörig Dampf machen, sodass Salzburg und in weiterer Folge auch Österreich über profunde Fußballer verfügt. Dass es kein leichtes Unternehmen ist, musste dem Niederländer Jacobson Adriaanse schon bei der Vertragsunterzeichnung bewusst gewesen sein. Dennoch ist der 61-Jährige davon überzeugt, den von Geldgeber Didi Mateschitz verlangten Weg zu beschreiten.
Nachdem jeder Trainer zuerst seiner eigenen Philosophie folgt, um Erwartungen zu erfüllen, wurden zahlreiche Abgänge durch entsprechende Neuzugänge ausgeglichen. Augenmerk in der ab Mittwoch für Salzburg laufenden Saison sollte auf Mejdi Traoui und Anis Boussaidi (beide Tunesien), Robin Nelisse (Ho) und Somen Tchoyi (Kam) gelegt werden. Nach diesen Spielern hat Adriaanse – er gewann in seiner knapp 30-jährigen Trainerkarriere nur mit Porto die Meisterschaft – verlangt. Er sagt: „Ich bin zufrieden – ob wir alles richtig gemacht haben, wird die Saison zeigen. Schade um Andreas Ivanschitz, den hätte ich gern bei uns gesehen. Aber es hat nicht sollen sein.“ Er zog seinen Verbleib in Athen einer Rückkehr in die Mozartstadt vor.
Wenngleich Adriaanse mit Prognosen über die Konkurrenz zurückschreckt, aber darüber „lieber erst zu Weihnachten“ gefragt werden will, hat der Niederländer einen Titelfavoriten parat. Wider Erwarten ist es nicht sein eigener Verein, sondern Rapid. Diese Mannschaft habe vor „zwei Monaten die Meisterschaft verdient gewonnen“. Auch spreche die „Kontinuität bei Trainer und Spielern“ eindeutig für Grünweiß.
Understatement klingt zwar anders, doch wer will sich selbst schon freiwillig mit zu hoch angesetzten Messlatten auseinandersetzen? Adriaanse offensichtlich nicht, vielmehr stapelt er tief und versucht, ganz andere Ziele zu verwirklichen. Die Bullen „werden vorwiegend attraktiven Fußball spielen, mehr Fans in die Stadien holen“, verspricht der Trainer. Die erste Kostprobe von Salzburg Neu gibt es am Mittwoch (19.30Uhr), zu Gast ist Mattersburg.
Chefankläger, Videostreich
Auf Attraktivität hofft vor allem auch Liga-Vorstand Georg Pangl. Bei einem PR-Termin ging er auch gleich hart mit „Nörglern und Kritikern“ ins Gericht, die sowohl den frühen Wiederbeginn als auch die Qualität der österreichischen Liga in Zweifel gestellt hatten. „Natürlich können wir das Spiel Altach gegen Kapfenberg nicht mit der EM vergleichen, da liegen Welten dazwischen. Aber um es ehrlich zu sagen: Numancia gegen Gijon ist auch nicht der Reißer – und das im Land des Europameisters!“
In der Liga werde Professionalität großgeschrieben und der „Österreich-Topf“ forciert. Ab Dienstag müssen zwölf Österreicher auf dem 18 Mann starken Spielbericht stehen, will ein Klub am Geldkuchen partizipieren.
Um „sehr bösen Fouls“, die ungeahndet bleiben, den Garaus zu machen, wurde ein „Chefankläger“ installiert. Heinz Fahnler, 65, wird mittels Videobeweises Strafen verhängen. Ob er bereits denjenigen ausfindig gemacht hat, der im „PR-Video“ noch Georg Zellhofer als Ried-Trainer sprechen ließ, blieb offen. Vielleicht hat auch dieser Schuldige bereits freiwillig das Handtuch geworfen – wie der Fußballtrainer...