Die von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) verhängte Stadionsperre gegen Atletico Madrid hat einen Sturm der Entrüstung in Spanien ausgelöst und selbst die Regierung auf den Plan gerufen. Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba sagte dem Club nach Presseberichten vom Mittwoch seine Unterstützung zu.
Zugleich wies er den Uefa-Vorwurf scharf zurück, die spanische Polizei sei für die Krawalle beim Champions-League-Spiel gegen Olympique Marseille (2:1) am 1. Oktober im Vicente-Calderon-Stadion verantwortlich gewesen. Nach den Worten Rubalcabas hatten Olympique-Hooligans die Polizisten mit Stadionsitzen beworfen. Fünf Gesetzeshüter wurden verletzt, einer musste am Kopf genäht werden.
Die Polizeigewerkschaften forderten ihrerseits den Kontinental-Verband zu einer Richtigstellung auf. Uefa-Sprecher William Gaillard hatte erklärt, die spanische Polizei habe überreagiert und "ohne jeden Grund" die Ausschreitungen provoziert.
Totenkopf oder Clown mit Mütze?
Nach Angaben von Sicherheitskräften und Innenministerium hatten Uefa-Stewards die Beamten gebeten, ein als Nazi-Symbol verbotenes Totenkopf-Transparent der Olympique-Fans zu entfernen. Die Uefa erklärte jedoch, die Polizei habe auf eigene Faust gehandelt und damit die Krawalle heraufbeschworen. Zudem habe es sich nicht um das Bild eines Totenkopfs, sondern um das eines Clowns mit Mütze gehandelt. Abgesehen davon warf die Uefa den Atletico-Fans rassistische Gesänge gegen dunkelhäutige Olympique-Spieler vor.
Wegen der Krawalle und des rassistischen Fan-Verhaltens muss der Club die nächsten Champions-League-Heimspiele gegen Liverpool (22. Oktober) und PSV Eindhoven (26. November) in einem mindestens 300 Kilometer von Madrid entfernten Stadion austragen. Der Verein wurde zudem zu 150.000 Euro Geldstrafe verurteilt, hat aber bereits einen Einspruch angekündigt.