Im letzten Länderspiel des Jahres handelte sich Österreich doch noch das befürchtete Debakel ein. Die Spanier, die sich im Juni 2008 im Happel-Stadion zum Europameister gekürt haben, feierten an gleicher Stelle einen mühelos herausgespielten 5:1-Sieg und demonstrierten vor 32.000 Zuschauern selbst im Schongang ihre Weltklasse. Für die Auswahl von Didi Constantini war es hingegen ein schmerzhaftes Lehrspiel. Der Teamchef sollte mit seiner Einschätzung, dass für Rot-weiß-rot diesmal eigentlich nichts spreche, recht behalten.
Auch im Fußball gibt es Gesetze, wenn nicht sogar Gebote. Und Österreich hat am gestrigen Abend den Fehler gemacht, gegen eines dieser Gebote zu verstoßen. „Du sollst einen Europameister nicht ärgern“, lautet diese Vorschrift. Das hat Didi Constantini während der zehntägigen Vorbereitung auf das Duell mit Spanien vergessen zu erwähnen. So freundlich die Gesten vor dem Anpfiff, so wirkten einige ÖFB-Spieler gegen diese Weltklassemannschaft etwas übermotiviert. Und obendrein unbeholfen.
Mangelnde Reife
Ein freundschaftliches Fußballfest hätte es im Wiener Prater werden sollen, stattdessen fielen einige Österreicher aus der Rolle. Jugendlicher Übermut führte dazu, dass der deutsche Schiedsrichter Florian Meyer nach nur 27 Minuten die Rote Karte zücken musste. Yasin Pehlivan, einer der Youngsters, hatte Sergio Busquets vom FC Barcelona an der Mittellinie umgesäbelt. Bereits zuvor war Rapids Mittelfeldspieler mit einer unnötigen Härteeinlage aufgefallen. Was mangelnde Reife betrifft, so muss man Trainer Peter Pacult bei der Einschätzung seiner Schützlinge durchaus recht geben.
Mit zehn Mann gegen Spanien spielen zu müssen, das grenzt an die Höchststrafe im Fußball. Aber auch in kompletter Besetzung waren die Österreicher nur ein dankbarer Testspiel-Gegner für die Iberer, die von den vergangenen 42 Spielen nur ein einziges verloren haben (Confed-Cup gegen die USA). Keine andere Auswahl beherrscht das gefürchtete Kurzpass-Spiel so perfekt wie der Europameister von Wien. Das „Tiki-Taka“ haben die Spanier nahezu zur Perfektion getrieben, den Gegnern bleibt oft nur der Ruf nach Riechsalz.
Hoffnungsvoller Anstoß
Hoffnungsvoll hatte Hermann Maier noch den Anstoß gemacht. Und die Fans hatten nach der überraschenden 1:0-Führung durch Jakob Jantscher (8., abgefälschter Schuss) auch kurz einen Grund zum Jubeln. Das war's aber auch schon aus österreichischer Sicht. Der Rest war Anschauungsunterricht, wie schön man Fußball interpretieren und ausüben kann.
s0;30Schon vor der Pause war klar, dass Österreich gegen die Nr. 2 der Welt völlig chancenlos ist. Fabregas konterte auf den Rückstand mit dem postwendenden Ausgleich (10.). Die Spanier trugen in aller Gelassenheit einen Angriff nach dem anderen vor, weitere Treffer waren nur eine Frage der Zeit. Torjäger Villa besorgte nach Iniesta-Pass das 2:1 (20.) und das 3:1 (45.), damit hatte er seine Arbeit erledigt. Mit ihm blieben Iniesta, Xavi und Casillas in der Kabine, die neuen Kräfte machten es den Österreichern nicht leichter.
sDie „zweite Garnitur“, die um ihr WM-Leiberl kämpft, knüpfte dort an, wo die Superstars aufgehört hatten. Güiza stellte auf 4:1 (56.), Hernandez auf 5:1 (58.). Die Mannschaft von Didi Constantini war physisch und mental völlig am Ende und reif für ein noch höheres Debakel.