WIEN (ag./red.). Mut, so heißt es, gibt es nicht zu kaufen. Mit der Frechheit dürfte es sich ähnlich verhalten. Ein gerüttelt Maß davon besitzt Thierry Henry. Er legte im Play-off-Spiel gegen Irland Hand an: Mit seiner Linken richtete er sich den Ball so her, dass er William Gallas den Assist für das entscheidende Tor liefern konnte. Nach dem 1:0-Sieg im Hinspiel lagen die „Bleus“ vor eigenem Publikum nach 90 Minuten 0:1 zurück und mussten in die Verlängerung. Mit dem Ausgleich in der 103. Minute löste Frankreich gleichsam im Nachfassen das WM-Ticket.
Henry sah die Szene nach dem Spiel locker: „Der Ball sprang mir an die Hand, der Schiedsrichter pfiff nicht – und ich spielte eben weiter.“ Der Zweck, die Qualifikation zu schaffen, heilige das Mittel: „Es war Hands, aber ich bin nicht der Schiedsrichter!“
Weil Henry sein Foulspiel zugab – ohne sich dafür allerdings zu entschuldigen – forderte der irische Verband die Wiederholung des Spiels. Irlands Justizminister Dermot Ahern schloss sich dem an, weil das Spiel den Eindruck erwecke, „wer betrügt, gewinnt“. Allerdings räumte er ein: „Die Fifa wird das nicht bewilligen, weil wir ein kleiner Fisch im Fußball sind.“
Irlands Coach Giovanni Trapattoni war nach dem Spiel dermaßen außer sich, dass er kaum sprechen konnte. „Ganz Europa ist Zeuge, dass wir den Sieg, zumindest das Elferschießen, verdient hätten“, schnaubte Salzburgs-Extrainer. Als er wieder Worte gefunden hatte, stellte er die Frage nach dem Fair Play, ohne Henry zum Sündenbock zu erklären. „Der Schiedsrichter hat sichtlich gezögert. Er hätte Henry fragen sollen, und der hätte das Handspiel sicher zugegeben.“ Alles, was ihm nun bleibe, sei traurig zu sein.
Sein Gegenüber hingegen konnte nur milde lächeln. Er habe gewusst, dass sein Team die Qualifikation schaffen werde, sagte Raymond Domenech. Und diesen Erfolg wolle er genießen – anstatt Erklärungen zu suchen.
Das Minimalziel hat der Chef der Équipe tricolore zwar erreicht, unumstritten ist er aber keineswegs. Französische Medien stellen die Frage, ob er der richtige Mann ist: Nach dem Ausscheiden als Gruppenletzter bei der Fußball-EM 2008, der schwachen WM-Qualifikation und dem Skandal im Play-off wird der Gegenwind noch rauer. Während 89 Prozent von 38.000 Usern in einer Onlineumfrage von „Le Monde“ meinten, Frankreich habe den WM-Start nicht verdient, formulierte es Sportministerin Roselyne Bachelot drastischer: „Raymond, du und deine Burschen, ihr müsst euch mobilisieren, sonst wird das nichts in Südafrika!“
Uruguay als 32. Team dabei
Frankreich qualifizierte sich als vorletztes Land für die WM, den Schlusspunkt der 25-monatigen Qualifikation setzte Uruguay: Das 1:1 gegen Costa Rica in Montevideo reichte dem zweifachen Weltmeister, um die Teilnahme in Südafrika zu fixieren. Das Hinspiel am vergangenen Samstag in San José hatte Uruguay 1:0 gewonnen.
WM-Qualifikations-Play-Off: Ukraine – Griechenland 0:1 (0:1) Hinspiel: 0:0; Bosnien-Herzegowina – Portugal 0:1 (0:0) Hinspiel: 0:1; Slowenien – Russland 1:0 (1:0) Hinspiel: 1:2; Frankreich – Irland 1:1 n.V. (0:1,0:1) Hinspiel: 1:0; Uruguay – Costa Rica 1:1 (0:0) Hinspiel: 1:0; Ägypten – Algerien 1:0 (1:0).