Trotz der Diskussionen, die am Rande des EU-Gipfels in Brüssel sogar die höchsten Regierungsstellen der betroffenen Länder beschäftigten, hat der Fußball-Weltverband (Fifa) am Freitag in Zürich eine Wiederholung des WM-Qualifikationsspiels zwischen Frankreich und Irland (1:1 n.V.) abgelehnt. "Das Resultat könne nicht mehr verändert oder annulliert werden", hieß es aus der Fifa-Zentrale nach dem irregulären Ausgleichstor der Franzosen.
"In den Fußball-Regeln ist eindeutig festgelegt, dass Entscheidungen während des Spiels vom Schiedsrichter getroffen werden und dass die Entscheidungen endgültig sind", begründete die Fifa. Dem Ausgleichstor durch William Gallas am Mittwoch in Paris war ein Handspiel von Kapitän Thierry Henry vorausausgegangen. Der Treffer öffnete dem Vize-Weltmeister, dem Tabellenzweiten der Österreich-Gruppe, in der Barrage die Tür zur WM-Endrunde in Südafrika.
Den "Betrug" durch die "Hand Gottes" hatten vielleicht nicht alle im Stadion gesehen. Auch der schwedische Schiedsrichter Martin Hansson, der gar nicht so schlecht postiert gewesen war, und sein Assistent an der Linie nicht. Wenn die Unparteiischen die TV-Bilder sehen, werden aber auch sie eingestehen müssen, dass dieser Treffer irregulär war.
Henry: "Wiederholung gerechteste Lösung"
Henry, der nach dem Tor gejubelt hatte, gab nach der Partie sein Handspiel zu und erwies sich zwei Tage später als Sportmann. "Ich bin kein Betrüger und war auch nie einer. Die gerechteste Lösung wäre eine Wiederholung. Aber das liegt nicht in meinem Einflussbereich", sagte der Stürmer am Freitag.
Der Teamkapitän beteuerte, dass es eine instinktive Reaktion zum Ball gewesen sei. "Ich habe nie bestritten, den extrem schnell in den Strafraum geflogenen Ball mit meiner Hand unter Kontrolle gebracht zu haben. Das habe ich auch den irischen Spielern, dem Schiedsrichter und auch den Journalisten nach dem Spiel gesagt", erzählte der Barcelona-Star.
Domenech: "Verstehe nicht, wieso wir uns entschuldigen müssen"
Natürlich berühre es ihn, wie Frankreich dieses Spiel gewonnen hat. "Ich fühle extrem mit den Iren mit, sie hätten sich es definitiv verdient, nach Südafrika zu fahren", sagte Henry, dessen umstrittener Teamchef inzwischen von einem Fehler der Schiedsrichter sprach. "Das ist eine Tatsachenentscheidung und keine Mogelei. Ich verstehe deshalb nicht, wieso wir uns für irgendetwas entschuldigen müssen", meinte Raymond Domenech.
Trotz der Qualifikation für die WM-Endrunde 2010 ist er in der Heimat weiterhin nicht unumstritten. In einer Umfrage des Instituts CSA für die Zeitung "Le Parisien" befürworteten nur 39 Prozent, dass er die "Bleus" in Südafrika betreuen soll. Und Ex-Teamverteidiger Bixente Lizarazu warf Domenech vor, allen inhaltlichen Fragen auszuweichen und das Talent der Mannschaft zu verschwenden. "Immer wenn man mit ihm über Fußball reden will, schießt er ins Aus und antwortet an der Sache vorbei", sagte der Weltmeister von 1998 im Gespräch mit "Parisien".
"Ihn interessiert nur die Form. Er weiß, dass er in der Sachdebatte völlig daneben liegt. Das Talent der Bleus wird verschwendet und schlecht genutzt." Spieler wie Anelka, Henry und Gourcuff würden sich gegenseitig auf die Füße treten. "Das ist kein Problem des Talents, sondern der Organisation." Ein großer Pluspunkt sei der sehr starke Torhüter Lloris. "In zwei Spielen ist Lloris zu Jesus geworden. Er hat uns erlöst", sagte Lizarazu.
Der Präsident des Französischen Fußballverbandes (FFF), Jean-Pierre Escalettes, wies Forderungen nach einer Entlassung Domenechs dagegen zurück. "Die Frage stellt sich noch nicht einmal", sagte er der Sportzeitung "L'Equipe". "Er hat einen Vertrag bis Juli 2010, und er hat seine Aufgabe erfüllt, sich mit der französischen Mannschaft zu qualifizieren. Ich achte Verträge." Der FFF-Vorstand werde sich nicht mit der Frage befassen. Die Aufregung um das aus Abseitsposition und nach einem Handspiel erzielte "goldene" Tor gegen Irland sagte Escalettes, sei ein Ereignis in einem Spiel und keine Staatsaffäre. Im umgekehrten Falle hätten die Iren oder die Italiener nicht die armen Franzosen beweint.