WIEN (red). Jedes Turnier wird von positiven und negativen Ereignissen geprägt, auch die Euro 2008. In der ORF-Pressestunde nahm Fifa-Präsident Sepp Blatter zu einigen Entwicklungen im Welt-Fußball Stellung, er übte dabei auch Kritik an den Schiedsrichterleistungen. Vor allem das Auftreten der vierten Offiziellen, speziell im Spiel Österreich gegen Deutschland, kritisierte der Schweizer scharf. Die Ausschlüsse der Teamchefs Josefs Hickersberger und Joachim Löw waren für ihn eine Fehlentscheidung.
Eigene Kameras erlaubt
„Der vierte Mann soll ruhig sein, er ist nicht dazu da, um für Ordnung zu sorgen. Er kann dem Schiedsrichter etwas sagen. Alles andere bringt nur Unordnung hinein“, betonte Blatter. Die Verbannung der Teamchefs Josef Hickersberger und Joachim Löw auf die Tribüne sei seiner Meinung nach absolut falsch gewesen: „Löw und Hickersberger wurden in diesem Fall zu Unrecht bestraft.“
Die Kontroversen um die zentral produzierten Live-Bilder der EM-Spiele ließ der Schweizer nur zum Teil gelten. „In erster Linie ist das ein Problem der Uefa und der Euro, bei der letzten WM war das meines Wissens nicht so“, sagt Blatter. Die Uefa produzierte das Live-Signal der Euro heuer erstmals selbst, sämtliche TV-Anstalten sind verpflichtet, ihre offiziellen Bilder zu übernehmen. „Da wurde übertrieben, man sprach von Zensur. Jede Anstalt hat das Recht, eigene Kameras mitzunehmen. Aber Hooligans sollten in Direktübertragung hinein, das war bei der WM in Deutschland drinnen“, betonte Blatter, der darauf hinwies, dass sich die Sender mit der Vertragsunterzeichnung damit einverstanden gezeigt hatten. Ein Flitzer und bengalische Feuer in Fanblocks waren in den Liveberichten nicht zu sehen gewesen.
Warten auf 2010
Nicht nur die Euro beschäftigte ihn, auch die Fußball-WM 2010. Sie wird trotz Sicherheitsbedenken und infrastrukturellen Schwierigkeiten in Südafrika stattfinden, das bekräftigte Blatter. Der Schweizer gab aber zu, einen Plan B in der Schublade zu haben, der aus heutiger Sicht jedoch erst bei einem „Erdbeben“ und nach der WM-Generalprobe, dem Confederations-Cup 2009, schlagend werden könnte. „Es wäre fahrlässig, wenn nicht ein Plan B bestehen würde. Südafrika ist ein organisiertes Land, seit 1994 ist es eine Republik, eine junge Republik. Die Ausrichtung der WM hat dort eine nationale Einheit bewirkt.“
„Handel mit Kindern“
Zum Lieblingsthema Blatters war zuletzt die geplante 6+5 Regel geworden. Der Plan sieht vor, bis 2012 pro Klubmannschaft sechs einheimische Spieler auflaufen zu lassen. Dass diese Regelung gegen EU-Recht verstößt, stört ihn nicht. „Bei 6+5 geht es um den Schutz der Jugend. Das würde eine Stabilisierung des Wettbewerbs bringen. Vereine bilden Spieler nicht mehr aus und einheimische Spieler haben keine Chance mehr.“
Der Fußball, sagt Blatter, „ist ein Monster“ geworden. Ohne Regulierung würde es weiter ausufern, die Ligen in England, Spanien und Frankreich die Abstände noch weiter vergrößern. Das unaufhaltsame Aufkaufen junger Talente stößt ihm dabei besonders sauer auf. Er sagt: „Das ist Sklaverei auf hohem Niveau. Das ist Handel mit Kindern.“