Jahre, wenn nicht Jahrzehnte wird der Siegeszug der „Selección“ durch Österreich mit dem finalen Triumph im Ernst-Happel-Stadion nun immer wieder im spanischen TV zu sehen sein. Was „Bern“ für die Deutschen, „Wembley“ für die Engländer, „Cordoba“ für die Österreicher, das ist „Viena“ für die Spanier: der bedeutendste Erfolg einer Fußball-Nation.
Zuerst wurde im Wiener Viertelfinale der Fluch, gegen die Italiener in einem Pflichtspiel nicht gewinnen zu können, besiegt – nach 88 Jahren! Und am Sonntag wurde dann der erste wirklich große Titel – die EM 1964 war ja ein Mini-Turnier mit nur vier Mannschaften – geholt. Das alles werden die Spanier in Hinkunft mit Österreich verbinden. Obwohl die beiden Nationen seit Jahrhunderten noch viel mehr verbindet.
Das ist schon auf der spanischen Flagge ersichtlich, die in den vergangenen Wochen, und erst recht vergangenen Sonntag, von Tausenden von Wien bis Madrid enthusiastisch geschwungen wurde. „Plus ultra“ steht auf dem spanischen Wappen der rot-gelb-roten Fahne. „Darüber hinaus“ – der Wahlspruch des Habsburgers Karl I. (eines Enkels von Kaiser Maximilian I.), der 1516 den spanischen Thron bestieg und dem vier Jahre später als Karl V. die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches, zu dem auch Österreich gehörte, verliehen wurde.
Karl I. alias Karl V.
Karl I. alias Karl V., der in Wien das steife Spanische Hofzeremoniell einführte, das seine Herrschaft Jahrhunderte überdauern sollte, regierte inklusive der spanischen Übersee-Kolonien „ein Reich, in dem die Sonne niemals untergeht“. Ihm wird auch das Zitat „Ich spreche Spanisch zu Gott, Italienisch zu den Frauen, Französisch zu den Männern und Deutsch zu meinem Pferd“ zugeschrieben. Am 3. November 1700 endete mit dem Tod von Karl II. die habsburgische Herrschaft in Spanien. Obwohl Bourbone, trägt der amtierende spanische König Juan Carlos allerdings heute noch die (von den Habsburgern übernommenen) Titel „Erzherzog von Österreich“ und „Graf von Tirol“.
Unter dem römisch-deutschen, aus Spanien stammenden Kaiser Ferdinand I. waren im 16. Jahrhundert zahlreiche spanische Adelige, darunter auch die Familie Hoyos, nach Österreich gekommen. Das typisch österreichische Wort „grantig“ leitet sich etwa von diesen (meist schlecht gelaunten) spanischen „Granden“ ab.
Auf Mallorca verehrt wird ein anderer Erzherzog aus dem Hause Habsburger, der Freigeist Ludwig Salvator (1874 – 1915). Er verabscheute den strengen Wiener Hof, der in ihm seinerseits einen Kommunisten sah, machte sich als Naturforscher einen Namen und ließ sich auf der Balearen-Insel nieder. Seine Volksnähe machte den unprätentiösen „Archidux“ (Erzherzog) zum ungekrönten König von Mallorca. Ludwig Salvators Refugium im Norden der Insel bei Deia ist heute eine Touristenattraktion.
Ein „König“ in Spanien war Jahrzehnte später auch Hans Krankl: Torschützenkönig – mit 29 Treffern in der Saison 1978/1979 für den FC Barcelona. Mit den Katalanen gewann Krankl, genannt „el goleador“, im selben Jahr auch den Europacup der Cupsieger. Beim 4:3 im Finale über Fortuna Düsseldorf erzielte der Wiener ein Tor. Beim FC Sevilla kickte Toni Polster. Er wurde mit 33 Treffern Rekordtorschütze seines Vereins und 1990/91 Zweiter in der spanischen Torschützenliste.
Kreisky auf Mallorca
Auch der österreichische Kanzler Bruno Kreisky siedelte sich im sonnigen Spanien an, in seiner Finca auf Mallorca machte der rote „Sonnenkönig“ Weltpolitik. Sein „Mallorca-Paket“, ebendort gemeinsam mit Finanzminister Herbert Salcher ausgeheckt erlangte in der österreichischen Innenpolitik einige Berühmtheit. Und war der Anfang vom Ende der Ära Kreisky. Die darin vorgesehenen Steuererhöhungen kosteten ihn 1983 die absolute Mehrheit.
Die österreichische Linke war Spanien schon seit Jahrzehnten innig verbunden gewesen. 1400 österreichische Sozialisten und Kommunisten, viele von ihnen vor dem Austrofaschismus geflohen, kämpften an der Seite der Republikanischen Truppen ab 1936 im Spanischen Bürgerkrieg gegen Francos Faschisten – erfolglos.
Bald nach Spanien ziehen könnte es Kreisky-Enkel Alfred Gusenbauer. Gerüchten zufolge könnte der glücklose, aber hispanophile Kanzler beim Baukonzern der Esther Koplowitz, einer der reichsten Frauen Spaniens anheuern. Zu ihrem Firmenkonglomerat FCC gehört nicht nur die jedem Spanien-Urlauber bekannte Kaufhaus-Kette „El Corte Inglés“, sondern auch der österreichische Baukonzern Alpine Mayreder.
