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Gruppe B: Das Herzschlagfinale

15.06.2012 | 18:42 |  (Die Presse)

Geht es nach Bastian Schweinsteiger, dann hätten die Siege gegen Portugal und die Niederlande die wahre Stärke der deutschen Elf gezeigt. Der einzige Haken: Nur Mario Gomez konnte beim Torschuss überzeugen.

Lemberg/Fi. Trotz der Auftaktsiege gegen Portugal (1:0) und die Niederlande (2:1) ist Deutschland bei der EM noch nicht „durch“. Zum Einzug ins Viertelfinale benötigen die Deutschen am Sonntag in Lemberg gegen Dänemark ein Remis, damit würde auch der Gruppensieg feststehen. Bei einer Niederlage und einem gleichzeitigen Erfolg Portugals gegen die Niederlande droht der DFB-Elf sogar noch die vorzeitige Heimreise.

Bei einem weiteren Erfolg würden die Deutschen hingegen eine neue Bestmarke aufstellen. Seit der Einführung der Gruppenspiele, das geschah 1980, gab es für Deutschland noch nie drei Siege in den ersten drei EM-Partien. Es wäre außerdem der 14. Pflichtspielerfolg en suite. Bisher sind zwei Erfolge und ein Unentschieden (1980, 1988, 1996) das Maximum in der EM-Gruppenphase gewesen.

 

Joachim Löw ist entspannt

Im Teamquartier in Danzig herrscht dementsprechend gute Stimmung, aber kein Übermut. „Jetzt gilt es dranzubleiben“, verkündete Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger. „Wenn man zweimal gewonnen hat, gegen Portugal und Holland, zeigt das die Klasse der Mannschaft.“

Trainer Joachim Löw lässt dennoch nicht locker. Weil man sich nicht auf die Schützenhilfe der Niederlande verlassen wolle respektive könne, wird er seine Startelf nur moderat umbauen. „Vielleicht braucht jetzt einer ein Spiel Pause“, erklärte Löw, „um im Viertelfinale wieder bei Kräften zu sein.“ Gezwungen ist er zu einer Umstellung, weil Außenverteidiger Jerome Boateng nach der zweiten Gelben Karte gegen die Dänen gesperrt ist. „Man kann Philipp Lahm nach rechts ziehen und Marcel Schmelzer links spielen lassen. Man kann Lars Bender rechts spielen lassen, das wäre eine gute Möglichkeit“, sprach Löw mögliche Lösungen an. Die Reservebank sei gut besetzt, Sorgen seien ihm daher fremd.

Deutschlands EM-Erfolgsgarant ist weiterhin Mario Gomez, der alle drei bisherigen Turniertreffer erzielte. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man vorn einen Stürmer hat, der aus fast keiner Chance ein Tor macht. Mario ist im Strafraum einfach Weltklasse“, lobt Schweinsteiger seinen Klubkollegen von Bayern München über den Klee. Dass er auch gegen die Dänen für Unruhe im Strafraum sorgen wird, darüber sind sich alle im Klaren. Allerdings: Außer Gomez strahlte bislang kein anderer DFB-Spieler wirklich Torgefahr aus. Diese Tatsache könnte letztlich noch zu einem bösen Erwachen führen.

Die Dänen mussten nach dem 1:0 gegen die Niederländer mit dem 2:3 gegen Portugal eine bittere Niederlage hinnehmen. Teamchef Morten Olsen ist trotzdem zufrieden. „Wir stehen nach zwei Spielen mit drei Punkten da. Darauf haben wir vor der EM gehofft. Wir wussten, dass sich gegen Deutschland alles entscheiden wird. Eine Chance gibt es immer.“ Doch da kommt in dieser Gruppe wieder die Mathematik ins Spiel: Sollte Portugal gegen die Niederlande gewinnen, würde den Dänen nicht einmal ein Unentschieden reichen. „Alles ist möglich, für alle Teams. Vielleicht nehme ich mein iPhone mit auf das Spielfeld“, ätzte Stuttgart-Legionär William Kvist. Dann sei jeder laufend informiert. Die Frage aber, ob er denn auch seinen Facebook-Status aktualisieren würde, etwa: „Gerade bei der EM ausgeschieden“, beantwortete Kvist nicht.

Die Dänen sind bisher dreimal bei Turnieren auf Deutschland getroffen und weisen mit zwei Siegen und einer Niederlage eine positive Bilanz auf. Der Höhepunkt war das EM-Finale 1992 in Schweden (2:0).


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