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Löw: „Merkel redet ja auch nicht in die Taktik hinein“

19.06.2012 | 17:01 |  (Die Presse)

Deutschlands Teamchef Löw bereitet sich akribisch auf das Spiel gegen Griechenland vor. Fragen zum politischen Reizthema und der Abwesenheit von Kanzlerin Angela Merkel weicht er mit seiner Eloquenz gekonnt aus.

Danzig/DA. Das Viertelfinalspiel bei der EM 2012 gegen Griechenland naht, und schön langsam wirkt Deutschlands Teamchef Joachim Löw genervt. Es sind die üblichen Fragen, mit denen der Trainer bei der obligaten Pressekonferenz des DFB vor laufenden Kameras gequält wird. Sie sind lästig und inhaltslos. Ein paar Kostproben: Wer kommt in die, wer fliegt aus der Mannschaft? Sind Stammspieler wie Özil oder Schweinsteiger, die zuletzt Trainingspausen eingelegt haben, dabei? Ist Griechenland ein „echter“ Gegner – und ist es ein Nachteil, dass Angela Merkel dem Spiel in Danzig nicht beiwohnen wird, weil sie lieber Italiens Staatschef Monti trifft?

Löw tat dennoch gut daran, sich nicht provozieren oder gar aus der Reserve locken zu lassen. Dafür ist der 52-jährige Schwabe auch schon zu lange im Geschäft. Erst müsse man Griechenland besiegen, gab er gebetsmühlenartig zu Protokoll. Danach warte, höchstwahrscheinlich, im Halbfinale Italien. Im Endspiel am 1. Juli in Kiew, daran hatte Löw keinen Zweifel, sei natürlich mit der Neuauflage des Finales von 2008 zu rechnen. Also einem Vergleich mit Titelverteidiger und Weltmeister Spanien. „Aber, zuerst spielen wir ja gegen Griechenland. Was dann passieren kann, steht für mich noch in den Sternen.“

Mit dem Erreichen des Viertelfinales nahm Deutschland die erste Hürde, dass aber bei einer EM-Endrunde erstmals alle drei Gruppenspiele gewonnen wurden, ließ Löw zufrieden schmunzeln. Nur, in der K.-o.-Phase zähle das alles doch nichts mehr, entgegnete er gezielten Fragen. Das einzig wahre Plus, das sich Deutschland als Gruppensieger damit erarbeitet hat, ist das des „Heimvorteils“. Der DFB-Tross erspart sich das während großer Turniere als immens lästig empfundene Umziehen. Danzig bleibt das „Heimquartier“.

Damit blieb Joachim Löw auch mehr Zeit für seine geliebten Analysen. Er kann das Spiel seiner Gegner lesen, er versteht die Taktiken und versteht es zumeist noch besser darauf zu reagieren. Die Griechen sieht er durch den Ausfall ihres nach zwei Gelben Karten gesperrten Kapitäns Georgios Karagounis jedenfalls geschwächt. Das sei „schmerzhaft“. Außen vor ließ Löw in diesem Zusammenhang auch alle krampfhaft herbeigezogenen Versuche, Sport und Politik miteinander zu verbinden. Eine politische Brisanz aufgrund Deutschlands Befürwortung einer rigiden Sparpolitik für Griechenland wollte Löw in dieser Partie partout nicht sehen. Außerdem ist er ein Gentleman, er stehe doch zu seinem Wort. „Sie wissen ja, dass wir im DFB ein sehr gutes Verhältnis zu Angela Merkel haben. Wir haben die Abmachung getroffen, dass sie nicht in Aufstellung und Taktik hineinredet und ich nicht in ihre politischen Statements . . .“

Griechenlands Zugabe

Mit der Aufstellung kann Löw jedenfalls drei Griechen nicht überraschen. Papadopoulos (Schalke), Sokratis (Bremen) und Fortounis (Kaiserslautern) verdienen ihr Geld in Deutschland. Darüber hinaus verfügt auch der ehemalige Torschützenkönig der Bundesliga, Theofanis Gekas (Samsunspor), über entsprechende Erfahrungen. „Wir wissen, wie Deutschland spielt. Vielleicht hilft es“, meint Papadopoulos. Er wähnt Hellas aber ohnehin aus einem ganz anderen Grund im psychologischen Vorteil. „Mit dem Viertelfinale haben wir unser Ziel erreicht. Damit hat außer uns doch keiner gerechnet. Der Rest ist also Zugabe.“


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