Pamplona. Die Vuelta soll vor allem für Alberto Contador zur großen Bühne werden. Der Radstar hofft in seiner Heimat auf ein glänzendes Comeback nach dem Dopingbann. Vor dem Start der 67. Spanien-Radrundfahrt am Samstag in Pamplona ließ es sich Rennchef Javier Guillen nicht nehmen, eine Pressekonferenz mit dem von einer Dopingsperre zurückgekehrten Star abzuhalten. Der Profi stellte dabei ein Benefizprojekt vor, bei dem gebrauchte Fahrräder gesammelt und nach Afrika verschickt werden sollen. Der umstrittene Madrilene arbeitet an einem Imagewechsel.
Im Gegenzug überhäufte Guillen seinen Landsmann mit Lobeshymnen: „Alberto Contador ist das Beste, was der Vuelta passieren kann. Dies wird eine Super-Vuelta.“ Die Spanier sind froh, dass Contadors Dopingsperre gerade rechtzeitig endet.
Von einer gänzlich unbeschwerten Rückkehr wollte der Champion von 2008 aber nicht sprechen. „Ich gehe mit Lust und Motivation ins Rennen, aber was geschehen ist, hat mich stark geprägt“, sagte der Saxobank-Fahrer, der nach dem positiven Clenbuterol-Befund von 2010 stets seine Unschuld beteuert hatte. „Das kann ich nicht vergessen – es hat mir sehr geschadet.“
Von Podestplätzen hat er genug
In Spanien hat Christopher Froome endlich freie Fahrt. Der bei der Tour de France noch durch Teamorder zugunsten von Bradley Wiggins vom möglichen Sieg abgehaltene Sky-Profi darf auf eigene Faust fahren. Von Podestplätzen dürfte Froome mittlerweile genug haben, zumal er bei der Tour hinter seinem britischen Landsmann Wiggins und auch im Vorjahr in Spanien Zweiter war – damals vor Wiggins und nur 13 Sekunden hinter Juan José Cobo.
Der spanische Überraschungssieger des Vorjahres gilt auch bei einem Mannschaftszeitfahren als einer der Sieganwärter. Dazu kommen mit Contador und dem Giro-Zweiten Joaquin Rodriguez zumindest noch zwei weitere Spanier. Auch der Tour-Vierte Jurgen van den Broeck (BEL) und der ehemalige Ö-Rundfahrtgewinner Fredrik Kessiakoff (SWE) sollten um den Sieg mitfahren können. Österreichische Teilnehmer sucht man in der Teilnehmerliste hingegen erstmals seit 2008 vergeblich.
Der in Kenia geborene Froome tritt aufgrund seines absolvierten Sommer-Monsterprogramms mit Tour und Olympia samt Bronze im Zeitfahren vorsorglich aber schon etwas auf die Bremse und bringt aus seiner Mannschaft den Olympiazweiten Rigoberto Uran, Sergio Henao und Richie Porte ins Spiel.
„Ich gehe als Kapitän in das Rennen, aber das heißt nicht, dass wir nicht noch andere Leute für das Gesamtklassement haben. Rigoberto und Sergio haben beide großes Potenzial, und auch Richie ist einer, der glänzen kann“, so Froome, der wie Wiggins bei der Tour für einen britischen Premierensieg in Spanien sorgen könnte.
Lassen Froome seine vielen Rennwochen zurückhaltend sein, dürfte bei Contador genau das Gegenteil das Problem sein. Die fehlende Rennpraxis spricht gegen seinen zweiten Vuelta-Sieg. Dennoch ist der früher oftmals unantastbare Contador zuversichtlich, zumal der bei seinem Tour-de-France-Sieg 2010 des Dopings überführte Spanier in seiner sechsmonatigen Auszeit hart trainiert hat und die schweren Vuelta-Bergetappen mehrfach abgefahren ist.
Die 3360 km lange Vuelta bewegt sich ausschließlich im Nordteil des Landes. Der südlichste Punkt ist Madrid, wo die Rundfahrt nach 21 Etappen endet. Die Entscheidung sollte am Tag zuvor am berüchtigt steilen Bola del Mundo, einer von sechs schweren Bergankünften, fallen.