Diese Board-Akrobaten haben gegenüber Wellenreitern und Surfern einen gravierenden Vorteil: Auf den richtigen Wind müssen sie nicht warten. Um ihre Kunststücke wie Sprünge und Drehungen in nötigem Tempo auszuführen, lassen sich Wakeboarder – ähnlich wie Wasserskifahrer – von einem Boot oder einem Lift ziehen.
„Wakeboarding bietet eine große Trickvielfalt an“, sagt Daniel Fetz. Und wenn das einer wissen muss, dann zweifellos der siebenfache österreichische Staatsmeister. Auf der World Tour ist Fetz seit über zehn Jahren dabei, hat sich in der Weltspitze etabliert und den Sprung zum Board-Profi geschafft. „Man braucht Ausdauer und muss über methodische Fähigkeiten verfügen. Das Wichtigste: immer Neues ausprobieren, nicht ein- und dieselbe Bewegung einschleifen lassen und darauf picken bleiben“, erklärt Fetz.
Durch den Zug des Motorboots oder eben der Seilbahn – auch Cableway genannt – sowie durch gezielten Druckaufbau schrauben sich Wakeboarder in die Luft. Bei Sprüngen in rund fünf Meter Höhe gilt es mit Drehungen (Rolls) und Griffen ans Brett (Grabs) die Jury zu überzeugen. Ein großer, wandelbarer Punktebringer in der schier unerschöpflichen Wakeboard-Trickkiste trägt den Namen Invert: Bei hohem Luftstand ist dabei der Kopf unten und das Board oben. Neben Inverts widmen sich Brettartisten bei Wettkämpfen auch der Überwindung von Hindernissen – sogenannten Obstacles wie Slider oder Kicker.
Wasser statt Schnee
Seine Begeisterung für Boards begann Fetz schon früh auszuleben – beim Skaten, Snowboarden oder Kneeboarden im Wasser. Als Kind fuhr er in seiner Freizeit nach Feldkirchen an die Donau. Nur 20 Minuten von zu Hause entfernt fand er dort eine Liftanlage vor, die ihn schnell übers Wasser und schnurstracks in ihren Bann zog. Endgültig auf den Geschmack des Wakeboarding kam er im Alter von 13 Jahren, als er dem deutschen Szenepionier Benjamin Süß zusah.
Als oberösterreichischer Big- Air-Meister im Snowboard begann Fetz mit der Zeit seine Saltos vom Schnee aufs Wasser zu übertragen. „Der Kreativität sind beim Wakeboarden keine Grenzen gesetzt“, sagt der heimische Serienmeister. Die Athleten können auf ihren leicht gebogenen Brettern ihren Stand auf dem linken und rechten Fuß variieren, tricksen auch mit beiden Beinen auf dem Board.
Sein Einfallsreichtum brachte dem Oberösterreicher 2003 den Junioren-Vizeweltmeistertitel ein. Seither tingelt er um die Welt, feilt von Kanada bis Thailand an seinen Inverts und Rotationen. Dreimal holte er den zweiten Rang im Gesamtweltcup. Letztmals bei einem Großereignis auf sich aufmerksam machte in Belgrad 2011, als er bei der EM den achten Platz belegte. Doch allein von Preis- und Sponsorengeldern kann der 27-Jährige nicht leben, finanzielle Engpässe gehören zum Leben des Top-Wakeboarders. Fetz: „Dann muss man halt ab und zu spartanischer leben.“ Auch auf Berufsreisen: „Ich war fünf Monate in Thailand und hab in einer Bambushütte gehaust.“
Ein zweites Standbein hat sich der aktuell Weltranglistenneunte in Form seiner eigenen Wakeboard-Schule am Salmsee in Steyregg aufgebaut. „Es ist ein Sport, den man von ganz jung bis ins hohe Alter betreiben kann“, sagt Fetz. Anfänger ohne jegliche Bretterfahrung würden am besten zuerst am Kneeboard zu üben beginnen, um Gefühl für den Zug und die Geschwindigkeit zu entwickeln. Dann komme der nächste Schritt auf Wasserski. Gute Snowboarder könnten diese beiden Eingangsphasen überspringen und sich gleich auf dem Wakeboard versuchen, gibt der Wettkämpfer und Instruktor Einblick in die Welt des bis zu eineinhalb Meter langen Wasserbretts.
Seine Coaching-Tätigkeiten untermauert der Familienvater mit Youttube-Videos, doch selbst in Zeiten von Social Media würde viel über Mundpropaganda laufen: „Letztens ist einer gekommen, der in Wien ein Brett gekauft hat. Dort haben sie ihm gesagt: ,Wenn du was lernen willst, dann fahr‘ zum Fetzy‘“. Seiner Wakeboard-Schule widmet das Multitalent immer mehr Zeit. Aber: „Bei den großen Events im World Cup bin ich dabei!“ Ist er gerade auf Tour, kümmern sich Freunde um die Anlage am Salmsee.
Leise Wachablöse
Lange stand Daniel Fetz in Österreich unangefochten an der Spitze. Doch die junge Generation sitzt dem Dominator der letzten Dekade im Nacken. Nach sieben Staatsmeistertiteln in Folge musste sich Fetz 2012 beim rot-weiß-roten Elitetreffen dem aufstrebenden Niederösterreicher Emilio Epstein geschlagen geben. Der 20-Jährige aus Eichgraben zertrümmerte mit seinem Triumph in der Cable-Disziplin eine fast einzementierte „Brettlhierarchie“.
„Der Fetzy hat in Österreich schon so etwas wie einen Unschlagbaren-Status gehabt. Ihn zu besiegen war schon sehr cool. Auch um zu zeigen, dass wir Jungen im Kommen sind.“ Epstein steht an der Front einer jungen, erfolgshungrigen Boarder-Generation und konnte auch schon international aufzeigen. Beim World-Tour-Stopp in Wien auf der Neuen Donau schraubte er sich auf Platz sechs. Mit konstanten Leistungen überflügelte Epstein Anfang August sein Vorbild Daniel Fetz sogar in der Weltrangliste.
Wie der Szeneguru aus Oberösterreich holte sich auch Epstein schon in Jugendjahren das Gefühl fürs Brett auf dem Snow- und Skateboard. Er vergleicht das Wakeboarding mit dem „Fahren im perfekten Tiefschnee“. Epstein, der neben dem Boarden Sport und Geschichte als Lehramt studiert, möchte auf der World Tour noch hoch hinaus: „Ich möchte mir einen Namen machen, ein kompletter Wakeboarder werden und mich in der internationalen Spitze festsetzen.“
Auch in der Bootsklasse hüpft ein junger Österreicher auf Augenhöhe mit den besten Boardern der Welt. Der Kärntner Dominik Hernler brauste im Februar in Südafrika zur Silbermedaille in der gemeinsam ausgetragenen Europa-Afrika-Meisterschaft. Darüber hinaus konnte der Millstätter diesen Sommer bei topbesetzten Einladungsevents überraschen. Bei den Wake Open in Florida erreichte er Platz vier, beim Harbour Reach in England ließ er sogar die gesamte internationale Elite hinter sich. National kann dem 20-Jährigen in der Disziplin Boot schon lange kein Fahrer mehr das Wasser reichen. Hernler sicherte sich 2012 den sechsten Meistertitel in Folge.
