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„Er möchte sich am liebsten vergraben“

14.10.2008 | 18:50 | MARKKU DATLER UND MICHAEL KÖTTRITSCH (Die Presse)

Der „Bergkönig“ der Tour de France steht am Doping-Pranger.

WIEN. „Das ist der beste Zeitpunkt, um Geld zu verdienen“, hatte Bernhard Kohl in einem Interview mit der „Presse“ Ende August auf die Frage gemeint, ob nach dem Erfolg bei der Tour de France nicht der beste Moment wäre, die Karriere zu beenden. Sechs Wochen und zwei positive Proben wegen Dopings mit CERA später, sieht die Situation für den 26-Jährigen vollkommen anders aus: Im Radsport gibt es für ihn nichts mehr zu verdienen, seine Karriere ist beendet, sein Ruf ruiniert.

Der Wahl-Klagenfurter aus Wolkersdorf hatte im Sommer einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Nach einem schweren Sturz bei der Dauphiné Libéré war er rechtzeitig für die Tour de France wieder erholt und krönte sich zum besten Bergfahrer. Selbst in der Gesamtwertung mischte er mit. Zuerst hatte er seinem Zimmerkollegen aus dem Team Gerolsteiner, dem ebenfalls des CERA-Dopings überführten Stefan Schumacher, zur kurzfristigen Führung verholfen, dann war er selbst – dank eines überragenden Zeitfahrens – zum vermeintlichen dritten Rang gefahren. In drei Jahren wolle er selbst ganz oben stehen.

In Österreich wurde er von Fans und Politikern gleichermaßen gefeiert, bei zahlreichen Radkriterien war er das gut verdienende Zugpferd. Bei der anstehenden Wahl zu Österreichs Sportler des Jahres galt er als der große Favorit. Von dieser Kandidatenliste ist er mittlerweile gestrichen.

Kohl, der inzwischen die Öffnung der B-Probe beantragt hat, beteuerte gegenüber seinem Teamchef bei Gerolsteiner, Hans-Michael Holczer, seine Unschuld. Für eine Stellungnahme war der Radprofi, der erst kürzlich beim Rennstall Silence-Lotto des Tour-Gesamt-Zweiten Cadel Evans aus Australien einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben hatte, nicht erreichbar. „Es wird in den nächsten Tagen, spätestens in einer Woche, eine Pressekonferenz mit Bernhard geben“, erklärte Kohls Manager Stefan Matschiner.

Werner Zanier, seit sieben Jahren Kohls Trainer, erzählte, „Bernhard möchte sich am liebsten vergraben.“ Kohls Mutter, die zufällig in Kärnten auf Besuch sei, stütze ihren verzweifelten Sohn.

 

Aussage als Kronzeuge?

Während nun zahlreiche Verschwörungstheorien rund um die nachträglichen Tests bestimmter Fahrer kursieren (bei der Tour gab es sieben positive Proben, vier auf CERA), liegt das weitere Verfahren in der Causa Kohl nun in den Händen der österreichischen (NADA) und der französischen (AFLD) Anti-Doping-Agentur und könnte sich länger hinziehen. Bringt die beantragte B-Probe ebenfalls ein positives Resultat, wird bei der NADA-Rechtskommission ein Prüfantrag eingebracht. Kohl droht dann eine zweijährige Sperre, die er nur als Kronzeuge verkürzen könnte, und klarerweise die Aberkennung seiner Leistungen bei der Tour de France.

„Jetzt hat der Tsunami auch Österreich erreicht“, meinte der Generalsekretär des Radsportverbandes, Rudolf Massak. „Wir können noch gar nicht abschätzen, was das bedeutet.“ Teams auf Sponsorensuche könnten ebenso zum Handkuss kommen wie Rennveranstalter, allen voran die Österreich-Rundfahrt. Und was aus der geplanten Bernhard-Kohl-Nachwuchsakademie werde, könne sich jeder denken, sagte Massak.

Der Präsident des Radsportverbandes, Otto Flum, fand ebenfalls klare Worte: „Ich habe mit ihm telefoniert und ihm geraten, alle Karten auf den Tisch zu legen und auch die Hintermänner zu nennen. Jetzt liegt es an ihm, wie er mit seinem Manager die weitere Vorgehensweise plant.“


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