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Kontrollsystem in Peking war sehr mangelhaft

14.10.2008 | 18:51 |  (Die Presse)

Nachuntersuchung der eingefrorenen Proben im Labor von Lausanne.

WIEN (wie-). Während der Olympischen Spiele in Peking sind insgesamt 4770 Dopingtests durchgeführt worden. Das bedeutet einen Anstieg gegenüber Athen 2004 um 32,5%. Als Kontrollzeitraum wird 27.Juli bis 24.August angegeben, die Tests fanden unter der Autorität des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) statt, wurden von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und dem nationalen Organisationskomitee vorgenommen. 3801 Tests basierten auf Urinproben und 969 auf Blutproben, kontrolliert wurden bei jedem Wettkampf generell die Top Five und zwei weitere Athleten.

Der Abschlussbericht des unabhängigen zehnköpfigen Beobachterteams der WADA brachte vor wenigen Tagen ein abenteuerliches Ergebnis. Von den 4770 vorgenommenen Dopingtests fehlen bei 300 immer noch die Unterlagen und Ergebnisse. Außerdem hat das Analyselabor in Peking 100 auf Testosteron untersuchte Proben als negativ eingestuft – und nicht gemeldet. Damit wurden internationale Teststandards ganz klar missachtet. Kritisiert wird obendrein, dass 102 der 205 Nationalen Olympischen Komitees der Verpflichtung der Meldeangaben für ihre Olympiateilnehmer vor den Spielen in China nicht nachgekommen sind.

IOC-Präsident Jacques Rogge will nun alle eingefrorenen Dopingproben von Peking im Labor von Lausanne nachuntersuchen lassen. Die Blutproben sollen nachträglich auf das EPO-Präparat Cera und auf Insulin (verbesserte Glukoseaufnahme der Muskeln) getestet werden, aber auch Tests auf andere Substanzen will man durchführen. „Ausdauerdisziplinen“, so Arne Ljungqvist, Vorsitzender der medizinischen Kommission, „sind besonders interessant. Wir stützen uns auf Verdachtsmomente.“ Der deutsche Dopingexperte Werner Franke spricht eine deutlichere Sprache: „Das ganze System ist korrupt – wir haben ein voll funktionsfähiges Mafiasystem!“


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