Ursprünglich hätte Österreichs Radprofi Bernhard Kohl am Donnerstag im Wiener Hotel Radisson zu den gegen ihn nach einer positiven A-Probe während der Tour de France erhobenen Doping-Vorwürfen Stellung nehmen sollen. "Schweigen lässt Raum für Spekulationen, das ist langfristig nicht gut. Er wird selbst vor die Presse treten", sagte Kohls Manager Stefan Matschiner. Nun wird Kohl aber in der Nähe des Flughafens in Wien-Schwechat nur vor "ausgewählten Medien" reden, die Pressekonferenz wurde abgesagt.
Kohl hat Zeit bis 22. Oktober
Matschiner bestätigte auch, dass der Radprofi die Öfffnung der B-Probe noch nicht beantragt hat. ittwochmittag hat sich Andreas Schwab, der Geschäftsführer der österreichischen Anti-Doping-Agentur (NADA), mit Bernhard Kohl getroffen und ihm weitere Unterlagen übergeben sowie darüber informiert, dass er bis 22. Oktober schriftlich bekanntgeben muss, ob er die Öffnung der B-Probe beantragt.
Am Montag war bekannt geworden, dass Kohl bei der Tour de France zwei positive A-Proben abgeliefert hatte. Der Niederösterreicher hatte bei der Frankreich-Rundfahrt sensationell Platz drei belegt und das Bergtrikot gewonnen.
"Alle Wege sind offen"
Anders als vom österreichischen Radsportverband am Dienstag vermeldet, ist ein Ansuchen auf Untersuchung der B-Probe von Kohl noch nicht erfolgt. "Das müsste ja Bernhard selbst tun, und das hat er meines Wissens noch nicht. Wir warten erst die Dokumentation der A-Probe ab. Alles zu seiner Zeit. Alles andere ist Spekulation und völliger Blödsinn, alle Wege sind offen", erklärte Matschiner die Vorgehensweise. Psychisch gehe es Bernhard Kohl "den Umständen entsprechend", seine Familie gäbe ihm Halt.
Neben Kohl ist auch der Manager aufgrund seiner Kontakte zu Manfred Kiesl, Ex-ÖSV-Trainer Walter Mayer und Susanne Pumper ins Visier der Medien geraten. "Da verweise ich auf meine Kollegen", sagte Matschiner. Auch andere Manager hätten Athleten in ihren Reihen, die mit positiven Tests in die Schlagzeilen geraten seien.
Matschiner geht mit der seine Person betreffenden Medienberichterstattung zumindest derzeit noch "relativ locker" um: "Mir ist das ziemlich egal, ich darf mir meine Freunde selbst aussuchen. Und ich bin nicht dafür verantwortlich, was irgendwer macht. Ich denke derzeit nicht an mein Geschäft, sondern eher an Bernhard." Aber wenn jetzt geschrieben werde, Kohl sei in ein Netzwerk verstrickt, dann könne er sich nur an den Kopf greifen.
Matschiner auf Verteidigung bedacht
Deshalb wolle er ein wenig Einblick geben und meinte zu seinen zahlreichen Bekanntschaften in der österreichischen Sportszene: "Ich glaube, im österreichischen Sport kennt jeder jeden. Mit der Susanne war ich zum Beispiel im Nationalteam", sagte der frühere Leichtathlet, der mit Pumper, gegen die ebenfalls ein Dopingverfahren wegen positiver EPO-Tests läuft, einmal einen Staffelmarathon bestritten hat.
Er sei auch nicht als einziger auf Einladung von Walter Mayer in Turin gewesen. "Das war eine Gruppe von zehn Leuten, da war auch ein Tischler aus Radstadt, einer von einem Golfklub, ein deutscher Sponsor, sein Bruder. Ich habe auf einem aufblasbaren Bett geschlafen und drei Tage Gaude gehabt." Er sei dann der Einladung der ÖSV-Untersuchungskommission zu einem Gespräch gefolgt, das sei keine Einvernahme gewesen, man habe ihn nur gefragt, was er da getan habe. "Wenn ich Dreck am Stecken hätte, wäre ich da nicht hingegangen."
Bleibt noch die Zusammenarbeit mit Manfred Kiesl, die sich zufällig ergeben habe. "Wir hatten von Mitte 2003 bis Ende 2004 eine Sportler-Vermittlungsagentur, nur Kenianer. Eine glorreiche Idee, die wirtschaftlich in die Hose gegangen ist. Aber wir sind Freunde geworden. Er hat in der Vergangenheit wahrscheinlich einen Blödsinn gemacht, das ist klar. Aber er hat sich von diesen Sachen zu 1.000 Prozent losgesagt", ist Matschiner überzeugt. Kiesl ist Geschäftsführer jener Firma, die das Nahrungsmittelergänzungsmittel Erybol vertreibt, für das Kohl wirbt.
Wenn ein Mensch eine Strafe verbüßt habe, dann sei er doch zu einem gewissen Grad rehabilitiert. "Wir haben ja auch Co-Kommentatoren im österreichischen Fernsehen, die nicht ganz astrein sind", so Matschiner.
"Vertraue Kohl zu 100 Prozent"
Stefan Matschiner hat "30 Athleten im Stall", laut Homepage intlsportsagency.com auch Diskuswerfer Gerhard Mayer, 400-m-Läufer Clemens Zeller und Hindernisläufer Martin Pröll, und er legt "für keinen die Hand ins Feuer." Für manche aber zu 99,99 Prozent. So auch für Kohl. "Ich vertraue ihm aber zu hundert Prozent", rundet er nochmals auf.
Bernhard Kohl sei ein Freund und das werde sich auch nicht ändern. "Er hat natürlich Erklärungsbedarf, und wird es erklären können, sollte die B-Probe das Ergebnis der A-Probe bestätigen. Was anzunehmen ist, denn das ist in 99,9 Prozent der Fälle so. Aber wir haben uns bereits ausgesprochen, das ist bereits passiert."