Singapur/Wien. Plötzlich war es zurück, dieses breite Grinsen des Sebastian Vettel. Als die deutsche Hymne aus den Lautsprechern ertönte, wich das Lachen kurzfristig einem betroffenen Gesichtsausdruck und feuchten Augen. Sein 23.Grand-Prix-Sieg ging dem Weltmeister nahe, nach vielen Problemen mit seinem Red-Bull-Boliden hatte er lange Zeit auf diesen gewartet. Das Zustandekommen des Erfolgs in Singapur basierte auf einem verlässlichen Gefährt, gewohnter Fahrkunst und einer nicht unbedeutenden Portion Glück. „Natürlich habe ich vom Hamilton-Ausfall profitiert“, sagte Vettel später.
Der Brite hatte das Flutlichtrennen als Erster in Angriff genommen, erwischte einen guten Start. Auch nach der ersten Boxenstoppserie erstrahlte Hamiltons McLaren an vorderster Front. In der 23.Runde folgte der Schock. Hamilton versuchte verzweifelt zu schalten, schlug wütend und enttäuscht auf sein Lenkrad – das Getriebe aber versagte seinen Dienst. „Ich habe schon drei, vier Runde zuvor bemerkt, dass ich Probleme habe“, ärgerte sich Hamilton. Während der Engländer immer langsamer wurde, brauste die Konkurrenz rund um Vettel an ihm vorbei. Hamiltons Titelambitionen erhielten einen heftigen Dämpfer, „aber ich werde nicht aufgeben“, versprach er.
Ein Nutznießer namens Vettel
Vettel wusste die kampflos geerbte Führung bis zum Rennende zu verteidigen. Bis dahin erlebten die Zuschauer noch so manchen Safety-Car-Auftritt. Nach einem Unfall von HRT-Pilot Narain Karthikeyan in der 33. Runde folgte eine lange, ruhige Rennphase. Der Neustart erwies sich nur als kurzes Intermezzo. Michael Schumacher, mit 43 Jahren der älteste Pilot im Feld, krachte dem jüngsten, Jean-Eric Vergne (22), ins Heck, zerlegte sowohl seinen Mercedes als auch den Toro Rosso. Schumacher hatte bereits vor einem Jahr an genau der gleichen Stelle für einen ähnlichen Crash gesorgt, als er Sergio Perez abgeschossen hatte.
Die finalen Top-Positionen waren zu diesem Zeitpunkt schon bezogen. Vettel fuhr einem letztlich ungefährdeten Sieg entgegen, einzig Hamilton-Teamkollege Jenson Button (+8,959) konnte konkurrieren. Button, Anfang des Monats Sieger in Spa, war zufrieden. „Das Team macht einen guten Job. Wir haben in jedem Rennen die Chance zu gewinnen.“
Diese hatte Fernando Alonso diesmal nicht. Der Spanier aber erntete den maximalen Ertrag, wurde Dritter. In der WM-Wertung entledigte er sich seines Verfolgers Hamilton (52Punkte Rückstand), der größte Widersacher ist nun der regierende Weltmeister. Vettel verkürzte den Rückstand auf die Spitze, 29 Punkte fehlen aber nach wie vor. Die Chancen, dass der Vorsprung des Spaniers weiterschmilzt, stehen gut. Der Formel-1-Tross übersiedelt für das nächste Rennen nach Japan. Der GP in Suzuka ist eine ausgewiesene Red-Bull-Strecke. Die schnellen Kurven kommen dem britisch-österreichischen Rennstall entgegen. Vettel versprüht Zuversicht. „Wir müssen dranbleiben und genau so weitermachen. Dann können wir auch am Ende ganz vorn liegen.“
Ergebnis: 1. Vettel (GER) Red Bull 2:00:26,144 2. Button (GBR) McLaren 8,959 3. Alonso (ESP) Ferrari 15,227 4. Di Resta (GBR) Force India 19,063 5. Rosberg (GER) Mercedes 34,784 6. Räikkönen (FIN) Lotus 35,759 7. Grosjean (FRA) Lotus 36,698 8. Massa (BRA) Ferrari 42,829 9. Ricciardo (ITA) Toro Rosso 45,820 10. Webber (AUS) Red Bull 47,175.
Fahrer-WM (nach 14 von 20 Rennen): 1. Alonso (ESP) Ferrari 194 2. Vettel (GER) Red Bull 165 3. Räikkönen (FIN) Lotus 149 4. Hamilton (GBR) McLaren 142 5. Webber (AUS) Red Bull 133.
Konstrukteurs-WM: 1. Red Bull 298 2. McLaren 261 3. Ferrari 245.