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Formel 1: Erst abgeschrieben, dann abgefeiert

12.05.2008 | 18:17 |  (Die Presse)

Felipe Massa führte Ferrari zum vierten Erfolg im fünften Saison-GP und avancierte zum Türkei-Experten: Seit 2006 gewann der Brasilianer alle Rennen am Bosporus.

ISTANBUL (ag./red.). Im März hatte Felipe Massa noch um sein Cockpit bei Ferrari bangen müssen. Zwei Nullnummern zu Beginn der Saison in Australien und Malaysia hätten ihm beinahe den Kopf gekostet. Schon war spekuliert worden, ob nicht vielleicht Fernando Alonso, der bei Renault nicht und nicht in die Gänge kam, Massas Lenkrad übernehmen würde.

Die Ferrari-Führung beobachtete die Entwicklungen erst einmal in Ruhe. Als Massa aber mit seinem Sieg in Bahrain Anfang April sportlich wieder Oberwasser hatte, sprach Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo ein Machtwort. Er schob Spekulationen um einen Wechsel von Alonso zur Scuderia einen Riegel vor. „Ich sehe keine Möglichkeit für Alonso. Eine Fahrerpaarung Kimi Räikkönen und Alonso würde bedeuten, sich selbst schaden zu wollen. Ich will zwei gleichwertige Piloten, die zusammenarbeiten“, sagte er. Und stärkte damit Massa den Rücken.

Der heimst nach dem GP-Sieg in der Türkei noch mehr Lob ein: „Er ist ein toller, professioneller Fahrer. Er tut alles für das Team und seine Arbeit – wir sind glücklich“, sprudelte es aus Teamchef Stefano Domenicali nur so heraus.


„Motor-Doping“ kein Thema mehr

Mit seinem zweiten Sieg in dieser Saison und dem dritten Erfolg in der Türkei in Folge erlebte Massa, der bei Ferrari einen Vertrag bis 2010 besitzt, seine Wiederauferstehung. Und sein Rennstall, der sich vor dem Rennen Verdächtigungen ausgesetzt sah, durch „Motor-Doping“ ein paar PS mehr verschafft zu haben, scheint zum alles überragenden Team der Saison zu werden. Abgesehen von Lewis Hamiltons Sieg beim Saisonauftakt in Australien gingen alle Rennen dieses Jahres an Ferrari.

Teamchef Stefano Domenicali aber will keine großen Vorteile für Ferrari sehen, denn „die Situation in der Weltmeisterschaft ist sehr eng. Es war wichtig für uns, nach dem ersten Rennen in Australien zu reagieren, wo wir nur einen einzigen Punkt geholt haben“, meinte er. In das Kopf-an-Kopf-Rennen an der Spitze der WM-Wertung zwischen seinen Piloten Räikkönen und Massa wolle er nicht eingreifen. „Beide haben freie Fahrt. Es gibt keine Änderungen bei unseren Abläufen“, betonte er. Aber, schloss er interne Anweisungen nicht aus, im Mittelpunkt stünden die Interessen des Teams und im Verlauf der Saison werde man die Lage genau prüfen.


Konzentration auf Monte Carlo

Domenicali fürchtet nämlich vor allem den nächsten Grand Prix am 25. Mai. Denn in Monte Carlo müsse man nicht nur McLaren, sondern auch Renault und BMW Sauber auf der Rechnung haben: „Ich denke, Monaco wird für alle ein wichtiges Rennen.“

Ferrari hatte vor allem im Winter sehr viel investiert, um die Schwächen beim prestigeträchtigen Rennen im Fürstentum auszumerzen. Aber das Programm dafür ist bei weitem nicht abgeschlossen. In Le Castellet wird kommende Woche weiter gefeilt.

Besonderes Augenmerk liegt dabei auch auf der Taktik für das Qualifying. „Wir müssen sehr vorsichtig sein, wie wir da hineingehen.“ Die Qualifikationsrunden hätten nämlich in Monaco größere Auswirkungen auf den Rennverlauf aus auf jeder anderen Strecke. „Es warten zwei Wochen harte Arbeit, wo wir erkennen wollen, wie wir arbeiten müssen und erkennen wollen, wie uns die anderen attackieren“, sagte Domenicali.

Türkei-GP: 1. Massa (Bra) Ferrari 2. Hamilton (GB) McLaren-Mercedes 3,779 Sek. 3. Räikkönen (Fin) Ferrari 4,271 4. Kubica (Pol) BMW-Sauber 21,945 5. Heidfeld (D) BMW-Sauber 38,741 6. Alonso (Sp) Renault 53,724 7. Webber (Aus) Red-Bull-Renault 1:04,229 8. Rosberg (D) Williams-Toyota 1:11,406.

WM-Stand: 1. Räikkönen 35 2. Massa 28 3. Hamilton 28 4. Kubica 24 5. Heidfeld 20.

Konstrukteurs-WM: 1. Ferrari 63 2. BMW-Sauber 44 3. McLaren-Mercedes 42 4. Williams-Toyota 13 5. Red-Bull-Renault 10.

Nächstes Rennen: GP von Monaco am 25. Mai.

Faktbox

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2008)


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