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Formel 1 ohne japanisches Team: Auch Toyota steigt aus

04.11.2009 | 12:24 |  (DiePresse.com)

Der japanische Autobauer gab am Mittwoch seinen Rückzug aus der Formel 1 bekannt. Toyota erlebt derzeit die stärkste Krise seit der Unternehmensgründung. Damit ist 2010 kein japanisches Team am Start.

Auch Toyota steigt aus der Formel 1 aus. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch in Tokio mit. Grund für die Entscheidung des weltgrößten Autobauers sei die gegenwärtig ernste wirtschaftliche Realität. Das Ende des Rennstalls bedeutet, dass kein Team aus Japan mehr in der "Königsklasse" des Motorsports vertreten sein wird. Vor einem Jahr hatte bereits Honda die Segel gestrichen. Am Montag hatte zudem Bridgestone als weltgrößter Reifenkonzern seinen Ausstieg Ende 2010 bekanntgegeben.

Das alles setzt den Ausstieg japanischer Unternehmen aus dem Motorsport fort, nachdem sich Subaru und Suzuki aus der Rallye-WM und Kawasaki sein MotoGP-Team zurückgezogen hatten. In der Königsklasse des Motorsports sind nun schon insgesamt drei Hersteller ausgestiegen, da auch BMW nicht mehr in der Formel 1 fahren wird. Toyota war 2002 in die Formel 1 eingestiegen und hatte sich erst diesen Sommer verpflichtet, bis Ende 2012 dabeizubleiben.

An hochgesteckten Zielen gescheitert

Die hochgesteckten Ziele erfüllte Toyota nie. Aus 139 Grand-Prix-Teilnahmen (13 Podestplätze/5 mal 2., 8 mal 3.) seit dem Debüt am 3. März 2002 in Australien resultierten für das Team 278,5 WM-Punkte, aber kein Sieg. Bestes WM-Ergebnis war der vierte Platz in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft 2005. Im Juli hatte außerdem die zu Toyota gehörende Fuji International Speedway Co. das Formel-1-Rennen auf ihrer Hausstrecke im japanischen Fuji für 2010 abgesagt.

Für Toyota gingen zuletzt der Italiener Jarno Trulli und der Japaner Kamui Kobayashi an den Start. Beim Saison-Finale am vergangenen Sonntag in Abu Dhabi kamen sie mit den Rängen sieben und sechs in die Punkte, in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft kam Toyota mit 59,5 Zählern immerhin auf Rang fünf. Trulli wurde WM-Achter, der von Kobayashi für die letzten beiden Saison-Rennen wegen einer Verletzung ersetzte Deutsche Timo Glock Zehnter.

"Sehr schmerzvolle Entscheidung"

"Wir haben realisiert, dass wir keine andere Wahl haben", sagte Präsident Akio Toyoda in der Toyota-Zentrale in Tokio. "Es war eine sehr schmerzvolle Entscheidung für den Konzern." Er verwies auf die derzeitige wirtschaftliche Gesamtsituation. Toyota war mit dem Ziel in die Formel 1 eingestiegen, irgendwann um den WM-Titel kämpfen zu können.

Im Land des Lächelns macht man in Sachen Formel 1 ernst, trotz aller Sparmaßnahmen, die in diesem Sommer beschlossen wurden. Betroffen sind von der Entscheidung der Konzernführung geschätzte 650 Mitarbeiter in der Formel-1-Fabrik Toyotas in Köln-Marsdorf. Glock hatte bereits vor der schlechten, allerdings auch zu erwartenden Nachricht aus Tokio klargemacht, dass er sich nach anderen Teams umschaut. Einen neuen Arbeitgeber suchen muss sich nun natürlich auch Trulli.

Das geschätzte Jahresbudget Toyotas lag bei 300 Millionen Dollar (205 Mio. Euro). Im vergangenen Geschäftsjahr musste das Unternehmen den höchsten Verlust der Firmengeschichte ausweisen. Doch die Entscheidung zum Rückzug kommt zu einem Zeitpunkt, da sich die Autobranche gerade ein bisschen zu erholen scheint.

Sauber jetzt auf der Warteliste

Als Nachfolge-Rennstall steht Sauber auf der Warteliste. Und die Übernahme des Teams durch die Investorengruppe Qadbak hängt von einem der 13 Startplätze für 2010 ab. Toyotas Teampräsident John Howett hatte zuletzt sogar noch verkündet, man habe Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen einen Vertrag angeboten. Der Finne hat aber gesagt, davon nichts zu wissen.

Als die Toyota-Crew am Sonntagabend in der Wüste von Abu Dhabi die Koffer packte, standen ihnen Ungewissheit und Sorge ins Gesicht geschrieben. Sie waren abhängig von der Entscheidung aus Tokio. Vom Kampf um den WM-Titel war das Team immer weit entfernt. Zu Buche schlagen gerade einmal drei Pole Positionen durch Trulli (2) und Schumacher.


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