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Formel 1: Abschiedssinfonie auf Japanisch

04.11.2009 | 18:21 | MICHAEL KÖTTRITSCH (Die Presse)

Angesichts der ernsten wirtschaftlichen Lage – Toyota rechnet mit einem operativen Verlust von rund 5,6 Milliarden Euro – sieht sich der weltweit größte Automobilhersteller außerstande, das in Köln ansässige Werksteam zu finanzieren.

WIEN. Die aktuellen Ereignisse in der Formel 1 erinnern ein wenig an Joseph Haydns Abschiedssinfonie: Einer nach dem anderen verlässt die Szene. Nur dass es sich im Motorsport nicht wie bei Haydn um Musiker handelt, sondern um große japanische Unternehmen. Nach Honda und Bridgestone kehrt nun auch Toyota der Formel1 den Rücken.

Angesichts der ernsten wirtschaftlichen Lage – Toyota rechnet mit einem operativen Verlust von rund 5,6 Milliarden Euro – sieht sich der weltweit größte Automobilhersteller außerstande, das in Köln ansässige Werksteam zu finanzieren. „Wir haben realisiert, dass wir keine andere Wahl haben“, sagte Präsident Akio Toyoda in der Toyota-Zentrale in Tokio.

2002 waren die Japaner in die Formel 1 eingestiegen, dem Ziel, um den Weltmeistertitel mitzufahren, waren sie seither nie auch nur ansatzweise nahegekommen. Ausbeute der 139 Grand-Prix-Starts waren 13 Podestplätze, für einen Sieg reichte es aber nicht. Und das, obwohl Toyota mit Budgets von über 200 Millionen Euro jahrelang besser als alle anderen Teams dotiert war.

 

Technische Innovation fehlt

Von den sportlichen Leistungen enttäuscht, hat sich die Toyota-Führung offenbar auch keine technischen Innovationen vom Formel-1-Engagement erhofft. Toyotas früherer Motorenchef, Luca Marmorini, hat etwa kritisiert, dass das Energierückgewinnungssystem Kers, das zahlreiche Rennställe eingesetzt haben, altmodischer als jenes in Toyota-Serienautos sei. Während es Hybridfahrzeuge vom Fließband auf 70 Prozent Rekuperation brächten, würde in der Formel 1 nur ein Fünftel der Bremsenergie umgewandelt werden. Zudem entferne sich die Formel 1 mit ultrahochdrehenden Motoren immer weiter von der Zukunft der Serienautos, für die das Hochdrehzahlkonzept bereits vor Jahren verworfen wurde.

Vor elf Monaten hatte sich der japanische Autohersteller Honda entschieden, aufgrund der heraufdräuenden Wirtschaftskrise die Formel 1 zu verlassen. Wenig später zogen sich Suzuki und Subaru aus der Rallye- und Kawasaki aus der Motorrad-WM zurück – alle drei japanische Konzerne.

Erst zwei Tage vor der Toyota-Ankündigung hat der japanische Reifenhersteller Bridgestone angekündigt, seinen Vertrag nach Ende der kommenden Saison aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu verlängern. Nachdem Bridgestone seit 2007 exklusiver Reifenpartner war, steht die Formel 1 für die Zeit danach vorerst ohne „Patschen“ da. Die beiden ehemaligen Reifenlieferanten Michelin und Goodyear haben Einstiegsgerüchte dementiert. Desinteresse bekundete auch Pirelli. Der italienische Reifenhersteller rüstet ab 2010 die GP3 aus.

Nachdem auch BMW im Sommer angekündigt hat, zu Saisonende die Formel 1 zu verlassen, sind nur noch drei Automobilhersteller im Rennen: Mercedes, Ferrari und Renault. Wobei das französische Team – nicht zuletzt wegen der Crashgate-Affäre in Singapur 2008 – immer wieder als Wackelkandidat gehandelt wird.

 

Krisengewinner: Cosworth, Sauber

Im Schatten der Ausstiege etabliert sich Cosworth als Motorenlieferant. Das zur deutschen Automobilzuliefergruppe Mahle zählende Unternehmen versorgt ab 2010 neben Williams auch die Neueinsteiger Campos GP, Manor GP, Team US F1 und Lotus F1 Racing. Gewinner des Rückzugs von Toyota könnte nun Peter Sauber sein. Sofern Toyota seinen Startplatz nicht anderwertig verkauft, könnte der Schweizer zum Zug kommen.


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