STUTTGART (ag./mhk). Die Chemie hatte schon längere Zeit nicht gestimmt. Zuerst hatte die Spionageaffäre McLaren 100 Millionen Dollar und viel Sympathie von Miteigentümer Daimler gekostet. Und dann wollte McLaren auch noch einen neuen Sportwagen auf den Markt bringen, was Mercedes erst recht missfiel. Also zogen die Stuttgarter die Konsequenzen und kündigten am Montag an, sich von McLaren zurückzuziehen.
Aber nicht so wie Honda, Toyota und BMW, die in Sachen Formel1 eine Vollbremsung hingelegt und komplett ausgestiegen waren. Sondern um das Engagement künftig „effizienter zu gestalten“, wie es Daimler-Chef Dieter Zetsche formulierte. Der deutsche Autobauer startet ab der kommenden Saison unter dem Namen „Team Mercedes Grand Prix“ mit einem eigenen Team.
Mercedes übernimmt zu diesem Zweck 75,1 Prozent des Weltmeisterteams Brawn GP. Daimler selbst wird 45,1 Prozent halten, 30 Prozent die Investmentgesellschaft Aabar. Über dieses staatlich kontrollierte Unternehmen hält das Emirat Abu Dhabi neun Prozent an Daimler. Zetsche möchte damit die Tradition der siegreichen „Silberpfeile“ weiterführen, die 1934 mit dem ersten Rennsieg von Mercedes begonnen hat.
Lenken soll das Team Ross Brawn. Ob er aber auch Weltmeister Jenson Button halten kann, ist offen. Er hat sich zuletzt mit Brawn nicht über seine Gage einigen können und liebäugelt weiter mit einem Wechsel zu McLaren.
Apropos McLaren: Abgebrochen wird die seit 1995 bestehende Zusammenarbeit von Mercedes mit McLaren mit dem Ausstieg allerdings nicht gänzlich. Zumindest bis 2015 wird der englische Rennstall mit Motoren beliefert. McLaren aber wird bis 2011 Mercedes- Anteile (40 Prozent) zurückkaufen.
Betriebsrat: „Kein Verständnis“
Dass Daimler in der Formel 1 weiter Gas gibt, gefällt dem Konzernbetriebsratschef gar nicht. Erich Klemm bedauert, dass das Unternehmen den „kostspieligen und in seiner Wirkung umstrittenen Formel-1-Zirkus“ nicht verlasse, werde doch im Konzern derzeit „jeder Cent dreimal umgedreht“ und Kurzarbeit wie Lohnkürzungen Realität sind: „Wir haben kein Verständnis dafür.“
Offiziell wurden die Ausgabe für den Motorsport zwar nie beziffert, Mercedes dürfte sich das Engagement in der deutschen Tourenwagen-Meisterschaft und in der Formel1 aber rund 200 Millionen Euro jährlich kosten lassen.