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Der IOC-Chefmediziner fordert: „Bringt mir Beweise“

31.07.2012 | 16:09 |  (Die Presse)

Der Vorsitzende der medizinischen Kommission des IOC bedauert, dass außergewöhnliche Leistungen oft mit Verdächtigungen verbunden sind. Andere äußern offen ihre Zweifel. Bis zu 5000 Dopingkontrollen geplant.

London. Fabelhafte Weltrekorde und ungewöhnliche Leistungssteigerungen rufen nicht nur Bewunderung hervor, sondern auch Skepsis und Zweifel. IOC-Chefmediziner Arne Ljungqvist hat nach dem Weltrekord der 16-jährigen chinesischen Schwimmerin Ye Shiwen Doping-Spekulationen zurückgewiesen. „Ich mag Verdächtigungen nicht und applaudiere, solange ich keine anderen Gründe habe“, sagte der Vorsitzende der medizinischen Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in London.

Ye hatte den Weltrekord über 400 Meter Lagen nicht nur um 1,02 Sekunden verbessert, sondern war auf den letzten 50 Metern Kraul in 28,93 Sekunden sogar schneller als US-Superstar Ryan Lochte. „Es ist traurig, dass außergewöhnliche Leistungen oft mit Verdächtigungen verbunden werden, traurig für den olympischen Sport“, meinte der schwedische Anti-Doping-Experte. „Ich will Fakten.“

Geht alles mit rechten Dingen zu?

Der deutsche Sportwissenschaftler Ingo Froböse schätzt Ye Shiwens Leistung sehr hoch ein. Er hat aber Zweifel, dass sie nur mit hartem Training und perfektem Schwimmer-Körper den Weltrekord holte. „Ich vermute, dass da vielleicht nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Leider muss man das wirklich sehen“, sagte Froböse.

Schwimmlegende Mark Spitz äußerte sich mit großer Anerkennung über die Chinesin. „Von dem, was ich bisher bei den Schwimmwettkämpfen gesehen habe, fand ich die 16-jährige Chinesin Ye Shiwen faszinierend“, erklärte der siebenfache Olympiasieger von München 1972. Er habe niemals zuvor solch ein Davonziehen auf den letzten 25 Metern gesehen. Es sei nie zuvor im Gespräch gewesen, dass eine Frau dazu in der Lage sei, die Männer abzuhängen, betonte Spitz. „Wir müssen abwarten und schauen, wie es mit ihr weitergeht, ob sie in vier Jahren auch dabei ist“, sagte der 62-jährige US-Amerikaner über die Weltmeisterin von 2011. „Eigentlich müssen wir abwarten und schauen, ob sie auch im nächsten Jahr international dabei ist.“

Bei den London-Spielen ist das größte Anti-Doping-Programm der IOC-Geschichte angelaufen. 1461 der geplanten 5000 Kontrollen wurden seit Eröffnung des olympischen Dorfes am 16. Juli bereits vorgenommen, teilte IOC-Sprecher Mark Adams mit. Positiv getestet wurden zwei Athleten: die usbekische Turnerin Luisa Galiulina und der albanische Gewichtheber Hysen Pulaku.

„Bei jeden Spielen testen wir mehr. Das Wichtigste ist aber die Qualität“, sagte Ljungqvist. Die Dopingtests basierten inzwischen immer mehr auf geheimen Informationen, „die uns Auskunft über die Welt des Dopings geben“. Ljungqvist: „Wir machen keine einfachen Trainingskontrollen mehr wie in der Vergangenheit.“ Vielmehr fahnde man auf Grundlage von Hinweisen der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), den Nationalen Olympischen Komitees, der Polizei oder dem Zoll.


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