diepresse.com

Textversion
Home | Politik | Wirtschaft | Panorama | Kultur | Leben | Tech | Science | Sport | Bildung | Gesundheit | Rechtspanorama | Spectrum

Artikel drucken

Kanu: Österreichs letzte Medaillenchance

08.08.2012 | 17:01 |  (Die Presse)

Nur noch die Oberösterreicherinnen Yvonne Schuring und Viktoria Schwarz können am Donnerstag im Flachwassersprint verhindern, dass die ÖOC-Athleten die Olympischen Sommerspiele ohne Edelmetall verlassen müssen.

Sie sind die letzten verbliebenen Medaillenhoffnungen. Yvonne Schuring und Viktoria Schwarz paddeln am Donnerstag  (11.42 Uhr MESZ) nicht nur um die Ehrenrettung Österreichs bei den Olympischen Spielen in London, sondern vor allem um die Erfüllung eines persönlichen Traums. Im Flachwassersprint über 500 Meter ist den Oberösterreicherinnen Edelmetall zuzutrauen, Topfavoriten sind im Kajak-Zweier aber andere.

Schuring/Schwarz sind zwar amtierende Weltmeisterinnen, auf dem Podest waren sie in dieser Saison über die olympische Distanz allerdings noch in keinem großen internationalen Rennen. Im Semifinale erzielten sie die fünftschnellste Zeit. „Wir hoffen, dass wir im Finale noch etwas mehr herausholen können“, versicherte Schwarz. „Unser Traum ist eine Medaille, den wollen wir wahr machen. Fünf bis sechs Boote kommen dafür in Frage.“

Die Favoriten kommen aus Ungarn, Deutschland und Polen. Die Ungarinnen Katalin Kovacs/Natasa Douchev-Janics könnten ihr drittes Olympia-Gold in Serie holen, die deutschen WM-Zweiten Franziska Weber/Tina Dietze waren im Semifinale die Schnellsten. Schuring/Schwarz starten auf Bahn sechs – zwischen den Deutschen und den polnischen EM-Dritten Karolina Naja/Beata Mikolajczyk.

Finale wird eine Nervensache

„Im Finale spielen auch die Nerven eine Rolle“, erinnerte Schwarz. „Damit kommen wir normalerweise ganz gut zurecht.“ Bewiesen haben sie das etwa im WM-Finale 2011 in Szeged, als sie vor Zehntausenden Zuschauern Gold holten – in der schnellsten jemals gefahrenen 500-Meter-Zeit von 1:37,071 Minuten. So eine Marke darf man sich bei den schwierigen Windbedingungen auf dem Eton Lake allerdings nicht erwarten.

„Wir hoffen, dass nicht alle die mentale Stärke haben“, sagte Schwarz. „Einige werden vielleicht die Nerven wegschmeißen. Wir machen uns sicher keinen Druck.“ Dafür sorgt schon die Öffentlichkeit. Die Kanutinnen wissen, dass wohl nur noch sie medaillenlose Spiele für das ÖOC verhindern können. Das gab es bisher nur einmal: 1964 in Tokio war ein vierter Platz von Roland Losert im Florett-Einzel das höchste der Gefühle.

„Unser Traum ist so oder so eine Medaille“, betonte Schuring. „Die Erwartungshaltung in Österreich ändert da nichts daran.“ Die ist aber gewaltig. Das Duo wird überall belagert, Skilegende Hermann Maier kommt zum Daumendrücken.

„Volle Kraft voraus“

Taktieren ist über 500 Meter nicht angesagt. „Da gilt nur volle Kraft voraus“, gab Schlagfrau Schuring die Marschrichtung vor. Nach einem Zwischensprint bei halber Distanz soll voll durchgezogen werden. „Für die anderen Boote interessieren wir uns nicht. Wir müssen uns auf unser eigenes Ziel konzentrieren“, erklärte die gebürtige Deutsche, die seit 2005 in Österreich lebt.
„Wir müssen unser Rennen fahren, dann ergibt sich der Rest“, meinte die 27-jährige Schwarz. Beim Olympia-Debüt vor vier Jahren in Peking hatte das neu formierte Duo Rang neun belegt. Seither hat es aber große Fortschritte gemacht. „Wir haben Erwartungen, wir kennen ja unsere Vorjahresleistungen“, meinte Schuring.

Ihr Training in Ottensheim absolvieren die Kanutinnen daher häufig alleine im Einer. „Auch dort ist öfter Seitenwind“, erklärte Schuring. „Damit sollten wir kein Problem haben.“ Mit der Formkurve ist Cheftrainer Nandor Almasi zufrieden. „Sie haben eine sehr gute Grundlage, auf die wir die Sprintfähigkeiten aufgebaut haben“, erklärte der Ungar. „Sie haben im Rennen immer einen sehr guten Fokus.“ Bleibt zu hoffen, dass er auch durch die ungewohnte Aufmerksamkeit nicht zu sehr verschoben worden ist.


Home | Politik | Wirtschaft | Panorama | Kultur | Leben | Tech | Science | Sport | Bildung | Gesundheit | Rechtspanorama | Spectrum

© DiePresse.com