Peking. Grüne Olympische Spiele – das ist das Motto des großen Pekinger Sportfestivals, das am 8. August beginnt. Grüne Spiele hat auch die chinesische Regierung versprochen: Wenige Wochen davor sind Arbeiter an allen Ecken der chinesischen Hauptstadt dabei, Parks anzulegen, Blumen und Bäume zu pflanzen und künstliche Seen und Kanäle mit Wasser zu füllen. Dazu gehört ein neuer Springbrunnen im Shunyi-Wasserpark im Osten Pekings, seine Fontäne soll 134 Meter in die Höhe schießen.
Dies alles dürfte dramatische Folgen für die Umwelt haben, warnte kürzlich die international bekannte Umweltaktivistin Dai Qing: Um die Spiele zu verschönern, pumpen die Behörden nicht nur Wasser aus Nachbarprovinzen heran, sondern sie zapfen auch kostbares Grundwasser aus großer Tiefe. In die gleiche Kerbe schlägt ein gerade veröffentlichter Bericht der kanadischen Organisation „Probe International“. Demnach sind die 17 Millionen Pekinger Einwohner bereits auf knappstes Grundwasser angewiesen – das sie aus immer tieferen Quellen holen.
„Das ist das Ende der Stadt“
Im Jahr 2004 haben die Behörden damit begonnen, Wasser aus dem Karst in über 1000 Meter Tiefe heraufzupumpen – Vorräte, die sich in Millionen Jahren gebildet haben und kaum wieder aufgefüllt werden können, heißt es in dem Bericht. Diese Wasseradern dürften eigentlich nur in extremen Notsituationen angezapft werden, wenn es um das Überleben der Bewohner geht, heißt es unter Experten.
Wenn es so weitergeht, dann werden die Pekinger in der nächsten Generation kein Wasser mehr haben – „Das ist das Ende der Stadt“, warnte Dai Qing.
Die Olympischen Spiele werden den Bedarf von Chinas Metropole um rund 200 Millionen Kubikmeter Wasser steigern, errechneten die Umweltschützer. Über einen neuen, 309 Kilometer langen Kanal wird die Nachbarprovinz Hebei angezapft, deren Bürger sich nicht wehren können. Das kostbare Nass nach Peking zu holen erfordert enorm viel Geld und Aufwand.
Keine Anreize zum Wassersparen
Peking ist ohnehin von jeher eine besonders trockene Stadt, durch sie zogen einst Kamelkarawanen. Nach jahrzehntelanger Dürre und rasant wachsendem Verbrauch sind viele Flüsse und Reservoire in der Umgebung verschwunden. Andere sind so verschmutzt, dass sie nicht zu gebrauchen sind. Weil die Metropole rasant wächst, hat sich der Wasserverbrauch seit 1995 bis jetzt mehr als verdoppelt.
Damit kein Schatten auf die Olympischen Spiele fällt, behandeln die Behörden das Problem der Wasserknappheit wie ein Geheimnis und weigern sich, genaue Statistiken zu veröffentlichen, klagte Dai.
Seit der erfolgreichen Olympiabewerbung 2001 haben die Behörden nach eigenen Angaben rund zwei Milliarden Euro in Klär- und Wiederaufbereitungsanlagen gesteckt und schmutzige Fabriken geschlossen. Viele Firmen und Behörden halten sich jedoch nicht an Vorschriften, das Wasser sparsam zu nutzen. Weil der Preis mit 3,7 Yuan (etwa 34 Cent) per Kubikmeter für die Haushalte relativ niedrig ist, fehlt der Anreiz zum Wassersparen.
