Peking (red). Für Jacques Rogge, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, gibt es keinen Zweifel, dass es richtig war, die Olympischen Spiele an China zu vergeben. „Es ist klar, dass China ein hohes Niveau gezeigt hat, das wird eine große Herausforderung für London und alle weiteren Austragungsstädte“, sagte der Belgier auf der Abschluss-Pressekonferenz in Peking. „China hat sich geöffnet, die Welt hat mehr über China gelernt, und China hat mehr von der Welt erfahren. Ich glaube, dass sich das in Zukunft positiv auswirken wird.“
Die Briten rüsten auf
Schwimmer Michael Phelps und Leichtathlet Usain Bolt bezeichnete Rogge als die „Ikonen dieser Spiele“. Spiele, und davon ist er überzeugt, die in China ein bleibendes Erbe hinterlassen haben. „Es sind neue Wettkampfstätten entstanden, die keine weißen Elefanten sind, sondern intelligent in Universitäten eingegliedert und nun von den Studenten genutzt werden. Dazu kommen die städtebaulichen Maßnahmen, die Verbesserung der Straßenverkehrssituation, die neue Ringstraße, der Flughafen. Das Umweltbewusstsein ist gestiegen, die stillgelegten Fabriken werden nicht wiedereröffnet“, zählte der Präsident auf.
Aus sportlicher Sicht sieht die Bilanz für China ohnehin überwältigend aus, wie der erstmals errungene Platz eins im Medaillenspiegel zeigt: Damit setzt sich die Tradition fort, dass die Gastgeberländer immer auffallend stark sind – und auch der britische Sport rüstet im Hinblick auf Kommendes schon auf.
Die Athleten aus dem Reich der Mitte haben bei ihren Heimspielen die meisten Goldmedaillen gewonnen, die USA die größte Anzahl an Medaillen errungen. „Jedes Land wird unterstreichen, dass es das Beste war, dass mehr Gold oder mehr Medaillen zählen. Wir haben das nicht zu bewerten“, kommentierte Rogge.
„Wir haben Leistungen gesehen, an die wir uns für den Rest des Lebens erinnern werden“, ist der IOC-Präsident überzeugt. Bei bisher nur sechs positiven Dopingfällen seit Eröffnung des Olympischen Dorfes ist er zur Ansicht gelangt, dass die abschreckenden Maßnahmen wirken.
Wenig ausrichten konnte das IOC gegen die chinesische Medienzensur: „Wir haben China gedrängt, uns größtmöglichen Zugang zu gewähren. Wir haben interveniert, die Situation war nicht perfekt, aber sie ist jetzt weit anders als noch vor den Spielen.“ Bitter stößt nicht nur Menschenrechtlern auf, dass auf den von den chinesischen Behörden eingerichteten Protestzonen keine einzige Kundgebung stattfand. „Wir haben gehört, dass es 77 Anträge auf Proteste gab, aber keiner fand statt, das fanden wir ungewöhnlich. Uns wurde gesagt, dass die Anträge im gegenseitigen Einvernehmen abgehandelt wurden.“
Dem ist wohl nicht ganz so, zwei Frauen im Alter von 77 und 79 Jahren müssen ein Jahr ins Arbeitslager, sie hatten fünfmal vergeblich versucht, eine Demonstration anzumelden. Das IOC könne nichts dagegen tun, so Rogge: „Wir haben in dem Fall angefragt und gehört, dass sie gegen chinesische Gesetze verstoßen haben. Das IOC muss diese Gesetze respektieren.“
Zurück zum Fair Play
Für London 2012 hofft Rogge, dass es den hohen Standard, den China vorgelegt hat, halten oder verbessern kann. In vielen Bereichen wird dies schwierig sein, denn London habe nicht die infrastrukturellen Möglichkeiten, etwa so ein Heer von freiwilligen Helfern zu mobilisieren. „Für London wird es nicht leicht. Aber alle Schauplätze haben eine besondere Identität. Athen bedeutete zurück zu den Wurzeln. Mit China sind wir in das Land mit der größten Bevölkerung gekommen. London ist die Stadt des Landes, das für den modernen Sport steht. Die Regeln des Fair-Play sind dort entstanden. London ist multiethnisch, multikulturell, und multikonfessionell.“
An den Sommerspielen in China nahmen 11.000 Athleten teil, das übertraf die IOC-Vorgabe von 10.500 deutlich, die 2012 in London wieder das Ziel sind. Mitverantwortlich für die Mehrzahl an Sportlern sind die Wildcard-Vergaben (Leichtathletik, Schwimmen). In vier Jahren sind nur noch 26 Sportarten im Programm, Baseball und Softball flogen raus.