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Paralympics: Der Hauch von Gleichberechtigung

14.09.2008 | 18:08 | Von unserer Korrespondentin JUTTA LIETSCH (Die Presse)

China beeindruckt wie schon bei Olympia neuerlich als perfekter Gastgeber.

Peking. Rote Laternen schwingen im Abendwind, auf der Terrasse des Österreich-Hauses von Peking feiern die Sportler die Erfolge ihres Teams bei den Paralympischen Spielen, den Spielen der Körperbehinderten. Ein strahlender Andreas Vevera balanciert Torte, Bierglas und Sektflasche auf seinem Rollstuhl. Er hatte Gold im Tischtennis gewonnen.

Das Österreich-Haus ist in diesen Tagen die zweite Heimat der 38 Behindertensportler aus der Alpenrepublik. Das Besondere an dem Gartenlokal hinter dem Sheraton-Hotel: Anders als andere Länder wie Deutschland oder die Schweiz haben die Österreicher ihren Sportlertreffpunkt nicht nach den Olympischen Spielen im August geschlossen. Er bleibt unverändert bis zum Ende der Paralympics am 17. September geöffnet. Bis dahin werden die Kellner weiter österreichisches Bier ausschenken und die Köche heimische Spezialitäten zubereiten.

Für Raimund Fabi vom Österreichischen Paralympischen Komitee ist die Gleichbehandlung ein positives Beispiel für den neuen Geist, den er auch bei den chinesischen Organisatoren der Olympischen und Paralympischen Spiele in Peking spürt: „Zum ersten Mal scheint es, als sei die Gleichwertigkeit der sportlichen Leistungen anerkannt worden.“

Allerdings: Während das deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen weiterhin regelmäßig von den Paralympics überträgt, übt sich der ORF in Zurückhaltung.

Auch der 37-jährige Tischtennis-Sieger Vevera, der seit einem Badeunfall vor zwanzig Jahren nicht mehr gehen kann und in Peking zum ersten Mal an paralympischen Wettkämpfen teilnimmt, ist beeindruckt von den Erfahrungen der ersten Woche: „Alles ist, wie wir es von den Olympischen Spielen im August gehört haben – wir werden ebenso freundlich von den chinesischen Betreuern behandelt wie die Sportler zuvor. Die Organisation klappt ebenso perfekt.“

Ein paar Schritte weiter sitzen Teamkollegen auf Korbsesseln und in Rollstühlen um die Tische unter Sonnenschirmen. Die Luft ist mild und für Pekinger Verhältnisse ungewöhnlich klar, sodass sogar die Sterne am Himmel blinken.

Etwas wehmütig blickt Andrea Scherney, auf die Runde. Für die 42-jährige Sportlerin, die als junge Sportstudentin ihren linken Fuß bei einem Motorradunfall verlor, ist Peking der Abschluss einer großen paralympischen Karriere. Seit 1996 in Atlanta hat sie zahlreiche Medaillen und Rekorde in der Leichtathletik gesammelt.

Mit 4,82 Metern im Weitsprung gewann sie die erste Pekinger Goldmedaille für Österreich. „Das ist ein gutes Gefühl, noch einmal mit einem Sieg nach Hause zu kommen“, sagt Scherney, die beruflich als Funktionärin im österreichischen Behindertensportverband arbeitet.

Bis zum Wochenende haben Handbiker Wolfgang Schattauer (Gold) und Radler Wolfgang Eibeck (Silber) die Medaillenernte des ÖPC-Teams noch erweitert.

Was alle Sportler in Peking verbindet, ist die Hoffnung, dass die Wertschätzung, die ihnen in diesen Tagen entgegengebracht wird, nicht auf die Zeit der Spiele begrenzt bleiben wird. „Ich war gerade auf der Großen Mauer“, berichtet Scherney. „Da haben sie extra Rampen und Aufzüge eingerichtet. Hoffentlich bauen sie die hinterher nicht wieder ab.“

 

Österreicher im Finale

Vorerst aber stand das sportliche Geschehen im Vordergrund: Andrea Scherney qualifizierte sich im 100-Meter-Lauf für das Finale und wurde letztlich noch Achte. Heute Montag gibt sie im Diskusbewerb ihre Abschiedsvorstellung bei den Paralympics. Rennrollstuhlfahrer Thomas Geierspichler zog über 800 Meter ins Finale ein und kämpft nun am Dienstag um Medaillen. Vor vier Jahren in Athen hatte der nun 32-jährige Salzburger Silber geholt. Weniger gut erging es Georg Tischler im Diskuswurf. Er wurde Neunter, hofft aber noch auf seine Chance Dienstag im Kugelstoßen.

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