Die Tour de France wandelt auf den Spuren der Formel 1. Am Samstag startet die 96. Auflage der wichtigsten Radrundfahrt mit einem Einzelzeitfahren in Monaco. Die Rad-Teams ziehen in die Boxengasse ein, der anspruchsvolle Parcours der ersten Etappe über 15,5 Kilometer führt auch über die Formel 1-Strecke. Bei der Frage nach dem Topfavorit wird der Spanier Alberto Contador am öftesten genannt. Ist das aber die wichtigste Frage der 96. Tour de France? Im Mittelpunkt des Interesses wird wieder Rekordsieger Lance Armstrong stehen.
Wie stark ist Armstrong, der nach Rang zwölf im Giro in seiner Heimat trainiert hat, wirklich? "Ich komme in der bestmöglichen Form, die ich erhoffen durfte", erklärte der Texaner. Schon die Samstag-Etappe wird eine erste Antwort liefern.
"Die Teilnahme am Giro war eine kluge Entscheidung, er hat sich weiter gesteigert und ist voll motiviert", erklärte Teamchef Johan Bruyneel über seinen langjährigen Schützling, den vor der Rückkehr zur Tour die Berichte über positive EPO-Tests aus dem Jahr 1999 eingeholt haben. Eingefrorene Proben waren 2005 nachträglich kontrolliert worden, sechs Jahre zuvor war EPO noch nicht nachweisbar gewesen.
Der Texaner, der in seiner Comeback-Saison Geld für seine Krebsforschungs-Stiftung "Livestrong" sammelt und selbst hohe Startgelder kassiert, hat vor Monaten erklärt, er würde einen stärkeren Fahrer im Team jedenfalls unterstützen. Personen aus dem Umfeld Armstrongs glauben allerdings, dass der 22-fache Etappensieger selbst um den Sieg kämpfen wird. Gelingt der Coup, hätte Armstrong mit knapp 38 Jahren (Geburtstag am 18. September) einen weiteren Rekord - den des ältesten Tour-Siegers der Geschichte.
Harte Konkurrenz für Armstrong kommt mit Alberto Contador aus dem eigenen Rennstall. Der 26-jährige Spanier, Sieger der Tour 2007, konnte im Vorjahr den "Karriere-Grand-Slam" mit dem Gewinn von Giro und Vuelta perfekt machen. Bruyneel hat vorab klar gemacht, dass sich Contador mit seinen Leistungen die Rolle des Kapitäns verdient hat. Zum Kreis der Sieganwärter zählen auch der zweifache Zweite Cadel Evans (AUS), Vorjahrssieger Carlos Sastre (ESP), Giro-Gewinner Denis Mentschow (RUS) und die Brüder Andy und Fränk Schleck (LUX) als weitere Rivalen.
Am 26. Juli, nach 21 Etappen und insgesamt 3460 Kilometern wird man sehen, wer voranliegt. Die Stunde der Kletterer schlägt erstmals auf der in Barcelona beginnenden siebenten Etappe mit einer Bergankunft in Andorra-Arcalis. Es folgen neben einem 40-km-Einzelzeitfahren in Annecy (18. Etappe) zwei weitere Bergankünfte. Die Spannung wird jedenfalls bis zum vorletzten Tag erhalten bleiben. Da haben die Veranstalter eine Etappe mit Ziel auf dem Mont Ventoux in 1912 Meter Höhe angesetzt.