PLANICA (ag./mhk). Am Ende der langen Saison durften die österreichischen Skispringer noch einmal jubeln: über Gold bei der Skiflug-WM in Planica. Wolfgang Loitzl, Thomas Morgenstern, Martin Koch und Gregor Schlierenzauer war es gelungen, vor 16.500 Zuschauern den Titel mit dem Rekordvorsprung von 99,1 Punkten auf Norwegen und 167,1 Zähler auf Finnland zu verteidigen.
Wieder einmal war es ein Mannschaftsbewerb, in dem die ÖSV-Adler ihre Dominanz zeigten. Wie auch bei den Olympischen Winterspielen im Februar: In Vancouver hatten sich Schlierenzauer und Co. ebenfalls im Teamspringen durchgesetzt.
Die Sprungabteilung im Österreichischen Skiverband verfügt über die stärkste Mannschaft der Welt. Sie muss aber auch dem Internationalen Skiverband dankbar sein, dass dieser auf Teambewerbe setzt. Bei den Zuschauern kommen Events, bei denen Nationalmannschaften antreten, schließlich gut an.
Kein Einzelgold in diesem Winter
Die österreichischen Erfolge im Teambewerb täuschen auch ein wenig darüber hinweg, dass die ÖSV-Athleten die ganz großen Einzelerfolge nicht landen konnten. Abgesehen vom Sieg Andreas Koflers bei der Vierschanzentournee zum Jahreswechsel und den Einzelmedaillen von Gregor Schlierenzauer – zweimal Bronze bei Olympia und Silber bei der Skiflug-WM – gingen Olympia-Goldene und Weltcupgesamtsieg an andere. Besser: an einen anderen. Den Schweizer Simon Ammann, der weder im Springen noch im Fliegen zu schlagen war.
Immerhin aber konnten Österreichs Sprungläufer ihre goldene Serie bei Teambewerben fortsetzen. Seit 2005 hat die Equipe von Cheftrainer Alexander Pointner mit dem Gold in Planica am gestrigen Sonntag bereits die achte Goldmedaille (zweimal Olympia, zweimal Skifliegen und viermal Nordische WM) geholt. Nur ein Springer war bei allen Erfolgen immer dabei: Triple-Olympiasieger Thomas Morgenstern. Lediglich im Teambewerb der Skiflug-WM auf dem Kulm 2006 war Österreich als Vierter leer ausgegangen. Übrigens: Bei den Nordischen Weltmeisterschaften 2011 in Oslo werden nach 2001 und 2005 zum dritten Mal wieder zwei Teambewerbe (Großschanze und Normalschanze) ausgetragen. Für Österreichs Adler also die Gelegenheit, ihre Serie fortzusetzen.
Österreich zog bei der Anzahl der Skiflug-Team-Goldenen mit Norwegen gleich: Die Skandinavier konnten 2004 in Planica und 2006 auf dem Kulm, Österreich 2008 in Oberstdorf und eben heuer in Planica gewinnen.
„Von Tag zu Tag stärker“
„Es macht einfach riesigen Spaß, wenn man so weit fliegt. Ich bin von Tag zu Tag stärker geworden. Es gibt nichts Geileres, als mit so einem starken Team und so guten Betreuern noch einmal so einen Höhepunkt zu setzen“, sagte Gregor Schlierenzauer, der in beiden Durchgängen die Höchstweite erzielte und im Einzel nur dem Schweizer Simon Ammann den Vortritt lassen musste.
„Das ist ein würdiges Ende der Saison. Macht viel Spaß, so aufzuhören, und gibt mehr Motivation für den Sommer. Das ist die beste Medizin für die nächste Saison“, bilanzierte Wolfgang Loitzl, der Weltmeister auf der Normalschanze. Der Weltrekord des Norwegers Björn Einer Romören (239 Meter) geriet am Schlusstag der 21. WM, die insgesamt 68.500 Zuschauer anlockte, aufgrund zu schlechter Windverhältnisse nicht in Gefahr.
Trennt sich das Trainerduo?
Die WM in Planica könnte der vorerst letzte gemeinsame Auftritt des erfolgreichen österreichischen Betreuerduos mit Cheftrainer Alexander Pointner und Ko-Trainer Marc Nölke gewesen sein. Nölke soll ein Angebot vom Deutschen Skiverband vorliegen, den DSV-Athleten wieder auf die Sprünge zu helfen. Der Deutsche, der seine aktive Karriere wegen einer schweren Milzverletzung Mitte der 1990er-Jahre beenden musste, wurde 2006 der erste ausländische Sprungtrainer im ÖSV.