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Spielen mit Profil

21.11.2009 | 18:47 | von Daniel Breuss (Die Presse)

Die aktuelle Generation der Spielkonsolen dient nicht mehr nur zum Spielen. Dank Facebook-Integration und Filmangeboten wachsen die Geräte über sich hinaus.

Die Zeiten, als eine Spielkonsole nur dafür da war, Spiele zu spielen, sind vorbei. Die aktuelle Generation ist online, besitzt ihre eigenen Communities und kann so viel, dass die Bezeichnung „Spielkonsole“ eigentlich nicht mehr greift. Natürlich ist das Kerngeschäft weiterhin interaktive Unterhaltung. Da aber viele Spiele – mit Ausnahme einiger Exklusivtitel – für mehrere Plattformen gleichzeitig veröffentlicht werden, geht ein wichtiger Aspekt verloren, mit dem man sich von der Konkurrenz abheben kann. Die Hersteller Sony, Microsoft und Nintendo versuchen daher, mit Onlineangeboten zu punkten. Ein Vorteil der Anbindung der Konsolen ans Internet: Erweiterungen und auch Spielinhalte lassen sich ganz bequem nachreichen.

Seit wenigen Tagen können zum Beispiel Besitzer einer Microsoft Xbox 360 oder einer Sony PlayStation 3 ihre Konsole mit dem Social Network Facebook verbinden. Für Erstere wurde eine eigene Benutzeroberfläche gestaltet, außerdem wurde auch der Web-Nachrichtendienst Twitter inkludiert. Beide Programme sind auf die Bedienung mit dem Gamepad ausgelegt. Damit gelingt die Navigation zwar gut, das Tippen gestaltet sich aber äußerst mühsam. Hier empfiehlt sich eine Zusatztastatur, die man über USB anschließen kann. Das gilt natürlich auch für die PlayStation 3. Dort gibt es keine eigene Facebook-Anwendung, dafür aber einen vollwertigen Webbrowser, mit dem sich alle Funktionen des Portals nutzen lassen. Die Spezialfunktion der Facebook-Integration bei der PlayStation 3 beschränkt sich darauf, Spielfortschritte und gewonnene Trophäen automatisch auf die eigene Profilseite zu stellen. Konkurrent Nintendo kann hier wenig dagegenhalten. Auf seiner Konsole Wii läuft lediglich ein Webbrowser des norwegischen Entwicklers Opera. Spezielle Anwendungen für Facebook, Twitter oder vergleichbare Angebote fehlen vollständig.

Herunterladen. Dank Onlineanbindung bieten die Konsolen auch die Möglichkeit, Erweiterungen oder ganze Spiele aus einem Shop herunterzuladen. Bei Microsoft ist das die Xbox Live Arcade, bei Nintendo WiiWare, und Sony hat den PlayStation Network Store. Neben einigen Minispielen gibt es auch vollwertige Titel zum Download. Nintendo hat erkannt, dass eine Fülle an Klassikern aus den 1980er- und 1990er-Jahren auch heute noch gut ziehen. Mit der „Virtual Console“ können Fans diese Nostalgiehits auf die Konsole laden und spielen.

Film ab! Microsoft hat mit dem neuen Update seiner Xbox 360 einen weiteren großen Coup gelandet: Zune Video bietet Filmhits in voller HD-Auflösung als Verleihversion. Man wählt einen Titel aus, zahlt einen geringen Betrag und kann den Film dann sofort ansehen. Im Hintergrund laden Server den Streifen nach. Mittels einer Partyfunktion können Freunde mitschauen und per Chat darüber diskutieren.

Sony bietet einen ähnlichen Service in Deutschland, drei weiteren EU-Ländern und den USA an. Ob und wann dieses Angebot aber auch in Österreich erhältlich sein wird, steht in den Sternen. Dafür kommt der Musikvideo-Dienst VidZone Ende November zu uns. Damit können aktuell 13.000 Musikvideos heruntergeladen werden – natürlich nur gegen Bares.

Immer mehr zeigt sich, dass aktuelle Konsolen weit mehr als nur Spiele beherrschen. Stellt sich die Frage, wann man bei dieser Fülle an Multimediadiensten überhaupt noch Zeit zum Spielen haben soll.


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