Als Apple 2007 das iPhone vorstellte, traf Samsung das offenbar völlig unerwartet. "Die ganze Zeit haben wir uns auf Nokia konzentriert", steht in einem internen Memo von JK Shin, der bei Samsung die Mobil-Sparte verantwortet. "Verglichen mit dem unerwarteten Mitbewerber, Apples iPhone, ist das wie Himmel und Hölle - eine Design-Krise". Eigentlich wollte Samsung diese interne Nachricht unter Verschluss halten. Ausgerechnet in dem laufenden Gerichtsprozess gegen Apple, ist es nun aber doch auf dem Tisch.
"Samsung ist langweilig"
"Einflussreiche Personen haben sich das iPhone näher angesehen und betont, dass Samsung dagegen langweilig ist", schrieb Shin. "Ich höre immer öfter: Lass' uns doch etwas wie das iPhone machen". Apple wirft Samsung vor, das iPhone kopiert zu haben und das Memo von Shin scheint diese Behauptung zu bestätigen. Auch der Zeitpunkt des Memos ist unglücklich für die Verteidigung - Shin schrieb es im Februar 2010, zwei Monate bevor Samsung mit dem Galaxy S das erste erfolgreiche Android-Smartphone auf den Markt brachte. Und ausgerechnet die Galaxy-Serie hat Apple mit seinen Kopie-Vorwürfen im Visier.
Prozess könnte Karten am Markt neu mischen
Der Prozess vor einem Gericht im US-Bundesstaat Kalifornien ist mittlerweile in die zweite Woche gegangen. Die gesamte Branche beobachtet das Geschehen akribisch, schließlich steht einiges auf dem Spiel. Gelingt es Apple, Verkaufsverbote für Sasmung-Geräte zu erwirken, würde das die Koreaner am wichtigen US-Markt schwächen - damit könnten auch die Karten am Smartphone- und Tablet-Markt komplett neu gemischt werden. Für Samsung geht es außerdem um Schadensersatzforderungen von Apple in der Höhe von 2,5 Milliarden Dollar. Sasmung und Apple streiten in zahlreichen Ländern vor Gericht um Patente und "Geschmacksmuster" - in den USA müssen sie aber erstmals Geschworene überzeugen.