Vor zwölf Jahren hat Microsoft einen Schritt getan, der die Situation am Browsermarkt radikal geändert hat. Durch die fixe Verbindung von Internet Explorer (IE) und den Betriebssystemen Windows und Mac OS ist der Marktanteil innerhalb eines Jahres von 18 auf 96 Prozent hinaufgeschnellt und hat damit dem alten Kampf gegen den Browserveteranen Netscape ein jähes Ende gesetzt. Schon in den 90er-Jahren wurde das Treiben von Wettbewerbshütern argwöhnisch beobachtet. Bis heute hat es gedauert, dass sie sich durchsetzten. Auf Anregung der EU-Kommission wird das kommende Windows 7 in Europa ohne Browserinstallation ausgeliefert.
Die EU-Entscheidung wird Microsofts Marktdominanz zwar nicht sofort brechen. Erste Rückgänge haben den Browserkrieg aber wieder angeheizt. In den vergangenen Monaten ist dem IE besonders Mozillas Firefox gefährlich nahegekommen. Zwar ist der Marktanteil international betrachtet mit rund 22 Prozent noch immer vergleichsweise gering – der Microsoft-Browser hält immerhin 65 Prozent. Vor allem in Europa wächst die Firefox-Fangemeinde allerdings genauso schnell, wie jene des Internet Explorers schrumpft.
Der Firefox ist ab 2002 aus den Resten des Netscape entstanden. Nachdem Microsoft den alten Rivalen Ende der 90er ausgestochen hatte, wurde der Quellcode des Browsers offengelegt – jeder konnte ihn einsehen, kopieren und verändern. Das führte zur Formierung der Mozilla Foundation, die einige Jahre danach den ersten eigenen Browser veröffentlichte: Firefox. Die Entwicklung der jüngsten Version 3.5 dauerte mit rund einem Jahr länger als geplant. Die Verzögerung erklären die Entwickler mit der harten Konkurrenzsituation, die einen entscheidenden Vorteil hat: Sie treibt die Innovation voran. Im vergangenen Jahr haben alle großen Browserentwickler an neuen Funktionen und Verbesserungen getüftelt und mittlerweile ist die neue Browsergeneration komplett.
Webseiten anzeigen und speichern, das können sie alle. Jeder Browser hat aber auch ein Spezialgebiet, das ihn aus der Masse heraushebt. Der Firefox wird für seine Erweiterungsmöglichkeiten gerühmt. 170 Millionen „Add-Ons“ lassen alle erdenklichen Funktionen nachrüsten und täglich kommen weitere hinzu. Das Angebot reicht von Werbeblockern bis hin zur Fotobearbeitung.
Schnell und sicher. Einige der beliebtesten Browsererweiterungen stammen von Google. Die Idee, einen eigenen Browser zu entwickeln, reifte schon 2001, vergangenes Jahr war es schließlich so weit. Googles „Chrome“ hatte die beste Kinderstube: Das Unternehmen macht seit Jahren fast alles zu Gold, was es im Internet anpackt, und die Entwickler waren schon von der intensiven Beteiligung am Firefox-Projekt erprobt. Das Ergebnis ist der sicherste und einer der schnellsten Browser. Auf einem Wettbewerb in Vancouver war Chrome der einzige Browser, der nicht von Sicherheitsexperten geknackt werden konnte. Neben dem Schutz vor Angreifern, die über Sicherheitslücken Viren und Trojaner in Systeme schmuggeln, ist auch Datenschutz eines der großen Themen der neuen Browsergeneration. Jeder der Neuen hat einen eigenen „Privat“-Modus, in dem nicht aufgezeichnet wird, welche Webseiten besucht wurden. Praktisch ist so ein Modus vor allem auf fremden Rechnern oder in der Arbeit.
Ein anderes wichtiges Maß im Wettkampf der Browser ist die Geschwindigkeit. Hier gibt es zwei, die die Nase ganz eindeutig vorne haben: Googles Chrome und Apples Safari 4. Das ist natürlich kein Zufall: Beide basieren auf der gleichen Rendering-Maschine, die dafür verantwortlich ist, den HTML-Code in das zu verwandeln, was im Browserfenster zu sehen ist. Die Maschine ist bis zu dreimal schneller als die des Firefox-Browsers. Chrome hat aber noch mehr getan, um möglichst viel an Stabilität und Geschwindigkeit zu bieten. Jeder Tab, der in einem Fenster geöffnet ist, wird als eigener Prozess gehandhabt. Wenn eine Webseite abstürzt, muss also nicht mehr der gesamte Browser neu gestartet werden.
Und was hat Microsoft nun zu bieten, wenn der IE nicht mehr an Windows gebunden ist? Er hat sich mit der achten Version wieder an den Stand der anderen angepasst und sich vor allem in den Details viel Mühe gegeben. Die „intelligente“ Adresszeile hat Microsoft zwar nicht erfunden, aber am übersichtlichsten umgesetzt. Auch die farbliche Gruppierung der Tabs ist lobenswert. Ob das genügen wird, um weiterhin einen Marktanteil von mehr als 60 Prozent zu halten, wird sich weisen.