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Skype verkauft: Der Anfang vom Ende?

20.11.2009 | 18:38 | PETER MARTOS (Die Presse)

Trotz 520 Millionen Nutzern hat der Internet-Telefondienst kein Geschäftsmodell. Skypes Marktwert liegt bei 2,75 Mrd. Dollar, läppische 150 Mio. mehr, als eBay 2005 bezahlt hatte.

WIEN. Nach langem Ringen ist das Onlineauktionshaus eBay die lästig gewordene Verantwortung für den Internettelefondienst Skype losgeworden. 30 Prozent der Anteile bleiben eBay – weil die Käufer nicht genug Geld aufgebracht haben. Die Käufer, das sind die Investmentgruppe Silver Lake rund um Netscape-Gründer Marc Andreessen sowie die Firma Joltid der Skype-Gründer Janus Friis und Niklas Zennström. Der Kaufpreis beträgt 2,025 Mrd. Dollar (1,36 Mrd. Euro), davon 125 Mio. mit Schuldschein. Skypes Marktwert liegt bei 2,75 Mrd. Dollar, läppische 150 Mio. mehr, als eBay 2005 bezahlt hatte.

Der geringe Wertzuwachs signalisiert, dass es eBay in den vier Jahren nicht gelungen ist, den Telefondienst sinnvoll ins Geschäftsmodell zu integrieren. Obwohl Skype nach eigenen Angaben mehr als 520 Millionen registrierte Nutzer hat, hat es heuer im dritten Quartal nur 185 Mio. Dollar Umsatz an eBay abgeliefert – die Verluste wurden nicht ausgewiesen.

 

Kein kommerzielles Modell

Und damit hat sich Skype nicht als kommerzielles Modell durchgesetzt. Von vornherein als kostenloser Dienst konzipiert, gilt Internettelefonie heute als nicht vermarktbar. Nur Telefongesellschaften, die zusätzliche Funktionen anbieten, können damit Einnahmen generieren.

Die neuen Eigentumsverhältnisse bei Skype sind kompliziert – Silver Lake hält 56, Joltid 14 Prozent –, sodass Insider wie der Branchendienst Cnet News keine straffe Geschäftspolitik vorhersehen. Andreessen – der die Internetnavigationssoftware Netscape im sogenannten Krieg der Browser zu Triumphen über Microsofts Internet Explorer geführt hatte, ehe er an Microsofts gerichtsanhängiger Marktmacht scheiterte – hat Silver Lake erst im Juli mit 300 Mio. Dollar Risikokapital gegründet. Er war also nicht imstande, Skype zur Gänze zu übernehmen.

Er hat Joltid nicht nur deshalb in das Käuferkonsortium genommen, sondern auch aus juristischen Gründen. Denn Joltid tritt im Gegenzug für die Beteiligung die Nutzungsrechte an seiner „Global Index Software“ ab. Bisher waren sie nur an eBay lizenziert, woraus sich Dauerstreit ableitete. Dieser eskalierte derart, dass eBay überlegte, die Technologie hinter Skype völlig neu aufzubauen.

Und daraus ergibt sich der zweite Grund für Zweifel am Überleben von Skype: Es handelt sich um eine „proprietäre“ Technologie, die mit anderen Methoden der Internettelefonie nicht kompatibel ist. Denn VoIP – Voice over Internet Protocol –, wie die Internettelefonie korrekt heißt, „bringt meist nur den kleinsten gemeinsamen Nenner zum Einsatz“, sagt Tristan Libischer, Geschäftsführer der Wiener Firma competence.com, die den Dienst telgo betreibt. Die Kunst bestehe darin, „aus ,bloßen‘ Telefonverbindungen integrierte, griffige Lösungen zu entwickeln“.

 

Copyrightklage sistiert

Im Fall von Skype ist das nicht möglich. Alle Versuche von eBay, das Programm in diese Richtung zu modifizieren, scheiterten aufgrund einer Copyrightklage, die Friis und Zennström im September einbrachten. Bei dem Verfahren vor dem Bezirksgericht des US-Bundesstaates North California wäre es laut Klagsschrift um täglich 75 Mio. Dollar gegangen, weil die Joltid-Technologie „in den USA jeden Tag mindestens 100.000 Mal durch Skype-Nutzer verletzt wird“. Ebay-Sprecher John Pluhowski bezeichnete die Vorwürfe als „völlig grundlos und auf gesetzlichen und faktischen Irrtümern basierend“. Was aber nichts am Verfahren änderte. Jetzt ist es sistiert.

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