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AUA - Al Jaber: Nun droht Streit um Vertragsauflösung

13.05.2008 | 14:55 |  (DiePresse.com)

Die Forderungen Al Jabers für einen Einstieg seien unerfüllbar, so die AUA. Die ÖIAG verweist darauf, dass es mit Al Jaber "gültige Verträge" gebe. Im Umfeld Al Jabers ist man gegenteiliger Meinung.

Die AUA hat dem potenziellen Investor Sheikh Mohamed Bin Issa Al Jaber eine Nachfrist für einen Einstieg gewährt. Bis zur ursprünglichen Frist am 12. Mai habe Al Jabers JJW Central & Eastern Europe Beteiligungsverwaltungs GmbH keine erforderliche Bankgarantie übergeben. Die Austrian Airlines hätten nun eine angemessene Nachfrist bis zum Mittwoch, dem 21. Mai 2008, gesetzt, teilte die Airline mit.

Gespräche waren "Theater"

Die Gespräche der staatlichen Beteiligungsholding ÖIAG mit dem austro-saudischen Investor Mohamed Bin Issa Al Jaber sind gescheitert. AUA-Chef Ötsch glaubt nicht mehr an einen Einstieg des arabischen Investors. Die Vorgänge um den geplanten Einstieg bezeichnete Ötsch heute selbst als "Theater".

Al Jaber, der ursprünglich 150 Mio. Euro in die Luftfahrtgruppe Austrian Airlines (AUA) für einen Anteil von 20 Prozent investieren wollte, habe nach Vertragsabschluss "unerfüllbare Bedingungen gestellt", so die ÖIAG.

Al Jabers Forderungen

Konkret soll Al Jaber zusätzlich zum vertraglich vereinbarten 150 Mio. Euro schweren Anteilspaket zum Preis von 7,10 Euro je AUA-Aktie für bis zu 50 Mio. Euro weitere Anteile zum Kurs von 4,20 Euro verlangt haben, nachdem die AUA-Aktie zuletzt am Freitag mit 4,18 Euro aus dem Handel gegangen war. Statt auf 20 Prozent käme Al Jaber mit dem Zusatzpaket auf 29 Prozent an der Airline.

Al Jaber würde damit über die Sperrminorität von 25 Prozent hinauskommen, was eine Blockade bei Verhandlungen mit künftigen strategischen Partnern aus der Airline-Branche darstelle. Außerdem mutmaßen Beobachter dort, Al Jaber wolle damit den Durchschnittskurs seines Gesamtpaketes heruntermischen, um die Fremdfinanzierung des Deals zu erleichtern.

"Gültige Verträge"

Die ÖIAG weist aber darauf hin, dass es mit Al Jaber "gültige Verträge" gebe. Die AUA habe ihre vertraglich vereinbarten Punkte - die Kapitalerhöhung und die Gewährung eines Aufsichtsratssitzes an Al Jaber - bei der Hauptversammlung beschlossen und damit eingehalten. "Selbstverständlich" habe die AUA damit Anspruch auf Schadenersatz, so AUA-Chef Ötsch. Die Al Jaber-Seite meint hingegen, man habe den "Vorvertrag" für die Investition mit 30. April gekündigt, schließlich habe die ÖIAG die Gespräche abgebrochen. Damit habe die Verlängerung der Frist für die Vorlage einer Bankgarantie auch keine Relevanz mehr, erklärte ein Al Jaber-Sprecher.

Al Jaber hat nach eigenen Angaben nach wie vor Interesse an der AUA, fühlt sich aber seitens des staatlichen Hauptaktionärs ÖIAG nicht willkommen. Die AUA sei "ein wichtiges österreichisches Unternehmen, an dem wir uns gerne beteiligt hätten. Wir stellen allerdings fest, dass die ÖIAG kein Interesse an unserem Investment und damit an der Selbstständigkeit der AUA hat", teilte der Investor am Dienstag mit.


Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger ortete bei den Protagonisten "Naivität, mangelnde Professionalität und Zeichen von Realitätsverlust", das handelnde Personal habe "sehr unglücklich agiert". Die "Blamage" treffe nicht nur AUA-Chef Alfred Ötsch, sondern auch ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis gerate damit "voll ins Feuer der Kritik" - er habe "nur taktiert und laviert und versucht zu beruhigen", meinte Rasinger. Jetzt sei "die Politik gefordert, auch andere Lösungen zuzulassen". Im Raum steht eine engere strategische Partnerschaft mit einer größeren Fluggesellschaft, wiederholt wurde in diesem Zusammenhang die deutsche Lufthansa genannt.

Für Analysten "Keine Katastrophe"


Aus der Sicht befragter Analysten ist der nun offenbar doch nicht zustandekommende Einstieg des austro-arabischen Investors Al Jaber "keine Katastrophe". Die AUA hätte die in Aussicht gestellten Mittel von 150 Millionen Euro zwar gut brauchen können, sei aber nicht dringend darauf angewiesen. Auf Personaldiskussionen wollten sich die Analysten der befragten Großbanken Banken nicht einlassen.

In der jetzigen Situation dürfte das Thema einer strategischen Partnerschaft stärker in den Vordergrund rücken, meinen die Experten von UniCredit, Erste Bank und Raiffeisen Centro Bank (RCB). Über mögliche Partner wollte keiner der befragten Experten spekulieren, alle kolportierten Namen - etwa Lufthansa, Air France, British Airways, Emirates - hätten "eine Logik".

Allerdings wäre ein Wechsel der Allianz - die AUA gehört wie die deutsche Lufthansa dem weltgrößten Airline-Bündnis Star Alliance an - relativ teuer. Zudem würde es mindestens ein Jahr dauern, bis sich die Vorteile einer neuen Partnerschaft konkret zeigen würden. Zu hoffen sei nur, dass es angesichts der akuten Situation nicht zu einem "unbedachten Schnellschuss" komme, warnte ein Branchenbeobachter. (APA/Red.)


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