New york/Ag./Red. Erst vor acht Monaten hatte der große Derivatehändler MF Global Insolvenz anmelden müssen. Das Unternehmen hatte sich mit Staatsanleihen verschuldeter Euroländer verspekuliert. Nun gibt es einen neuen Finanzskandal um einen Derivatehändler in den USA.
Diesmal handelt es sich um die Peregrine Financial Group (PFG). Die Finanzaufsicht CFTC wirft dem Unternehmen und seinem Chef Russell Wasendorf vor, Kundengelder veruntreut zu haben. PFG soll falsche Angaben zu seinem Guthaben gemacht haben, mehr als 200 Mio. Dollar (163 Mio. Euro) seien verschwunden. Die CFTC kritisiert zudem, dass das Unternehmen die Kundengelder nicht getrennt von den eigenen Mitteln verwahrt hat.
Verbleib des Geldes unklar
Wie und warum das Geld verschwunden ist, ist unklar. „Es ist auch völlig unklar, wo das Geld jetzt ist“, teilte die Behörde mit. Laut „Wall Street Journal“ hat PFG am Dienstag Insolvenz beantragt. Hunderte Beschäftigte wurden gekündigt, PFG-Chef und -Gründer Wasendorf unternahm einen Selbstmordversuch und liegt nun in einer Klinik in Iowa.
Der Betrug umfasst laut US-Aufsicht die Hälfte der Kundenkonten. Der Fehlbetrag ist mit 200 Mio. Dollar aber deutlich geringer als bei der MF-Global-Pleite: Damals konnte die Geschäftsführung nicht erklären, wo 1,2 Mrd. Dollar an Kundengeldern verblieben waren. MF Global gilt als erstes Wall-Street-Unternehmen, das wegen der Schuldenkrise in Europa zu Fall gekommen ist. Es handelte sich um die siebtgrößte Firmenpleite in der Geschichte der USA.
Viele MF-Global-Kunden transferierten danach ihre Gelder zu PFG. „Es ist ein Déjà-vu in vollem Umfang“, sagte Branchenexperte John Roe. Bei Derivaten handelt es sich um Wertpapiere, mit denen man auf die Entwicklung eines Basiswerts, etwa eines anderen Wertpapiers, von Rohstoffpreisen oder Währungen spekuliert.