Wien/Höll. Bei der Bank-Austria-Mutter UniCredit ging der Gewinn im zweiten Quartal 2012 um zwei Drittel zurück. Wie das Institut am Freitag mitteilte, schrumpfte der Nettogewinn auf 169 Mio. Euro. Begründet wurde dies mit höheren Rückstellungen für faule Kredite, die im Vorjahresvergleich um mehr als 60 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro gestiegen sind.
UniCredit macht vor allem die Wirtschaftskrise in Italien zu schaffen. Zudem hält die Bank 41 Mrd. Euro an italienischen Staatsanleihen, an deren Sicherheiten es Zweifel gibt. Belastend wirkt sich auch eine mutmaßliche Steuerbetrugsaffäre aus. Hier erklärte sich die Bank bereit, 264 Mio. Euro an den italienischen Staat zu zahlen. Man habe zwar korrekt gehandelt, aber man wolle wegen der Länge des Verfahrens die Auseinandersetzung mit dem Fiskus beenden, heißt es. Trotz der Zahlung ermittelt die Staatsanwaltschaft weiter gegen den früheren UniCredit-Chef Alessandro Profumo und 19 weitere Manager. Der Prozess soll am 1.Oktober in Mailand beginnen. Alle Betroffenen bestreiten die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Ganz anders sieht die Situation bei der Wiener Tochter Bank Austria aus. Diese machte im zweiten Quartal einen Gewinn von 247 Mio. Euro. Ohne die Bank Austria wäre der italienische Mutterkonzern in die Verlustzone gerutscht.
Bank Austria schlägt Erste Bank
In Summe erzielte die Bank Austria im ersten Halbjahr einen Nettogewinn von 646 Mio. Euro. Dies entspricht im Vergleich zur Vorjahresperiode einem Plus von 1,2 Prozent. In dem Betrag sind auch positive Sondereffekte durch den Rückkauf von Hybridanleihen enthalten, die sich brutto mit 124 Mio. Euro zu Buche schlugen. Die Bank Austria schneidet damit besser ab als die Erste Bank. Beim Rivalen sank der Gewinn im ersten Halbjahr um 12,9 Prozent auf 453,6 Mio. Euro.
Die Bank Austria profitierte vom sinkenden Risikoaufwand in Österreich und in Osteuropa. Hier gab es einen Rückgang von 18,6 Prozent auf 568 Mio. Euro. In Österreich haben sich die Kreditrisikokosten auf 88 Mio. Euro sogar mehr als halbiert. „Unsere breite Aufstellung in Österreich und in 18 zentral- und osteuropäischen Ländern hat sich auch in dem volatilen Marktumfeld bewährt“, sagte Bank-Austria-Chef Willibald Cernko. Besonders profitabel sind die Töchter in der Türkei und in Ungarn. Aber auch in Slowenien und in Ungarn, wo es wirtschaftliche Probleme gibt, machte die Bank Gewinne. Nur in Kasachstan war ein Verlust angefallen.
Die UniCredit-Tochter will im Osten weiter wachsen. „Das ist der Markt, wo wir zu Hause sind. Dieser Markt bietet Perspektiven“, so Cernko. Bis 2015 sind 300 neue Filialen in Tschechien, Russland und in der Türkei geplant.
Auf der Negativseite standen in der Bilanz die Bankensteuern, die sich auf 58,7 Mio. Euro summierten. Davon entfielen 48,3 Mio. Euro auf Österreich, 4,8 Mio. Euro auf die Slowakei und der Rest auf andere Länder.
Von den Diskussionen über die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanking hält Cernko nichts. Die Bank Austria brauche „auch Komponenten wie Investmentbanking. Das ist ein Faktum.“ Als Beispiel nannte er Unternehmensanleihen, die Banken für Firmen auflegen. Für heuer wird in Österreich ein Volumen von sieben Mrd. Euro an Unternehmensanleihen erwartet.
Die Aktien von UniCredit legten am Freitag um sieben Prozent zu. Die Investoren hatten ein schlechteres Ergebnis erwartet.